Hartes Training für den Ernstfall

Gefahrenprognose im Team: Damit wollen Schulen und Polizei in der Region Trier Amok läufen vorbeugen. Auf den Ernstfall bereiten sich die Einsatzkräfte mit einem Spezial-Training vor, bei dem auch geschossen wird.

 Polizisten lernen in Trier, als Team einen Amokläufer wirksam zu stoppen. Foto: Polizei

Polizisten lernen in Trier, als Team einen Amokläufer wirksam zu stoppen. Foto: Polizei

Trier. Seit zwei Jahren hat Rheinland-Pfalz die Prävention von Amokläufen und das Abwehr-Training intensiviert. "Die Früherkennung ist äußerst schwierig, obwohl spätere Täter oft vorher etwas durchsickern lassen", sagt Jürgen Schmitt, Triers stellvertretender Polizeipräsident, im Gespräch mit dem TV. Zu möglichen Anzeichen zählen etwa vielfache Ausgrenzung des Betroffenen, ein Hang zu schwarzer Farbe bei Kleidung und Zimmerausstattung, eine Vorliebe für Gewaltfilme, Ballerspiele und Waffen, mangelnde schulische Leistungen.

Um ein Anstauen von Problemen und ein drohendes Ausbrechen bei einem bestimmten Anlass zu verhindern, gilt ein offenes Klima in Familie und Schule als entscheidend. Gibt es Hinweise auf eine Gefahrensituation, sollen Lehrer, Eltern, schulpsychologischer Dienst und Polizei gemeinsam beraten. Darum und um den weiteren "Umgang mit Krisen" geht es bei speziellen Weiterbildungs-Seminaren für Lehrer.

Die Polizei selbst handelt nach dem Motto "Verfügbarkeit vor Spezialisierung". Bei Amok-Alarm eilen alle verfügbaren Kräfte herbei. Weil es dauert, bis Spezialkräfte und Verstärkung vor Ort sind, werden Streifenpolizisten für das sofortige Eingreifen ausgebildet. Dieses Training sieht so aus: Die Beamten dringen als Kleinteam in ein ehemaliges Trierer Schulgebäude ein. Bewaffnet mit Farb-Munition, rücken sie von Raum zu Raum vor. Auf der Suche nach dem "Störer", den sie überwältigen sollen, treffen die Polizisten auch auf Figuren, die für Lehrer oder Schüler stehen.

Eine typische Geräuschkulisse trägt zur Simulation des hektischen Ernstfalls bei. Trotzallgemeiner Panik und großem Durcheinander müssen die Polizisten kühlen Kopf bewahren. Sie lernen, die Gefahr für das eigene Leben trotz des Risikos zu minimieren und die Erfolgschancen zu maximieren.

Bisher haben 600 Beamte aus dem Bezirk des Präsidiums Trier das Training durchlaufen. "Die Rückmeldungen sind ausnahmslos positiv", berichtet Jürgen Schmitt. Der Gedanke an Amokläufe in der Region Trier ist kein Tabu mehr: "Alle müssen sich bewusst machen: Es wird etwas passieren. Wir wissen nur nicht, wann, wo und mit welcher Intensität."

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