Hat der Ring-Manager das Land abgezockt?

Mehr als sieben Millionen Euro Gewinn soll Kai Richter, Projektentwickler am Nürburgring, durch den Transfer von Landesmitteln unrechtmäßig gemacht haben. Doch diese Vorwürfe, die durch einem Bericht des SWR bekannt geworden sind, bestreitet der Düsseldorfer vehement.

Nürburg. (ren/dpa) Der Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter, seit 2007 Geschäftspartner der landeseigenen Nürburgring GmbH, soll bei dem 330 Millionen Euro teuren Ausbauprojekt an der Eifelstrecke Gewinne von mehr als sieben Millionen Euro aus staatlichem Geld mitgenommen haben. Das steht laut Südwestrundfunk in einem vertraulichen Bericht des Landesrechnungshofs. Doch Richter weist die Vorwürfe zurück.

Richters Firma Mediinvest musste mit 85,5 Millionen von der landeseigenen Immobilienbank RIM gestützt werden. Teilbeträge soll die Mediinvest aber längere Zeit einbehalten haben, bevor sie das Geld an ihre für den Bau verantwortliche Tochterfirma MSR weiterleitete. Aufgrund von Zinsdifferenzen erzielte Richter dabei einen Gewinn von 1,9 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) erklärte, aufgrund der Verträge zwischen Mediinvest und RIM "kann sich rechnerisch je nach den Umständen zugunsten der Mediinvest ein Zinsgewinn ergeben".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Richter wegen möglicher Beihilfe zur Veruntreuung. An- und Verkauf eines Grundstücks auf dem Gelände des Feriendorfs in Drees, das zum Nürburgring gehört, bescherten einer Richter-Firma eine Spanne von 2,3 Millionen Euro.

Richter bestätigt Gewinne durch Projekte



Hinzu kamen ein Monatssalär von 50 000 Euro von August 2007 bis April 2010 sowie 1,3 Millionen für Projektpläne. Heute managt Richter gemeinsam mit Jörg Lindner die Betreibergesellschaft am Ring.

Kai Richter wehrt sich gegen den SWR-Bericht. Auch zeigte er sich verwundert darüber, dass ihm nicht die Gelegenheit gegeben worden sei, sich zu dem Gutachten des Landesrechnungshofs zu äußern. Der Vorgang des Geldtransfers sei als Teil der Gesamtfinanzierung sehr komplex, kommentierte Richter. "Ein Zinsaufschlag von 400 Prozent ist aber Irrsinn." Er habe sich bei seinen Geschäften an der Rennstrecke nichts vorzuwerfen, teilte der Mediinvest-Chef mit. "Natürlich hat mein Unternehmen im vertraglichen Rahmen auch Gewinn durch die von uns betreuten Projekte erwirtschaftet."

Die Mediinvest GmbH war beim Ausbau der größtenteils landeseigenen Rennstrecke als Projektentwickler und Investor aufgetreten. Das Scheitern der von der SPD-Landesregierung betriebenen Privatfinanzierung für den 330 Millionen Euro schweren Freizeit- und Businesspark am Ring sorgte 2009 für einen Skandal, der bis heute seine Schatten wirft.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz nahm vor wenigen Wochen Ermittlungen gegen acht Verantwortliche auf, unter anderem geriet Richter, der heute selbst den Ring managt, ins Visier der Strafverfolger. Die Ermittler hegen den Verdacht, Steuergeld in Millionenhöhe könnte im Zuge des Nürburgring-Ausbaus von der Betriebsgesellschaft gegen hohe Provisionen auf Firmenkonten umgeleitet worden sein, um den Anschein einer Privatfinanzierung aufrechtzuerhalten.