Hauptsache gehorsam

Die Entscheidung des Trierer Bischofs Reinhard Marx, dem Saarbrücker Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl die Lehr-Erlaubnis zu entziehen, kann ernsthaft niemanden überrascht haben. Marx hatte sie nach der zuvor erfolgten Suspendierung Hasenhüttls als Priester mehrfach angedroht, sollte der emeritierte Professor seine Haltung nicht "überdenken". Was die streng hierarchisch aufgebaute katholische Kirche damit meint, ist hinlänglich bekannt. Hasenhüttl hätte sich bedingungslos unterordnen müssen. Er hat kritik- und widerspruchslos zu akzeptieren, was Rom oder Trier vorgibt.

Wer dazu nicht bereit ist, dem wird halt - wie Gotthold Hasenhüttl - Priesteramt oder Lehr-Erlaubnis entzogen. Nicht der mündige Katholik ist gefragt, sondern der gehorsame. Dabei stört es die Kirchenmänner auch nicht, dass mit blindem Gehorsam und antiquierten Vorschriften im 21. Jahrhundert kein Staat mehr zu machen ist. Die Situation ist paradox, ob beim Thema gemeinsames Abendmahl, Zölibat, Frauenpriestertum oder Empfängnisverhütung. Denn die sture Haltung des Vatikans wird (zumindest in Europa) von immer weniger Gläubigen verstanden und geteilt.

Und auch im Bistum Trier wird in vielen Kirchengemeinden längst toleriert und klammheimlich praktiziert, was für den Papst und die Bischöfe noch fern jeder Vorstellungskraft sein mag: eine gemeinsame Abendmahlfeier von Katholiken und Protestanten. Noch ist die Diskrepanz zwischen den römischen Vorgaben und der Wirklichkeit womöglich nicht groß genug, um eine derart traditionelle Institution in ihren Grundfesten zu erschüttern oder sie zu veranlassen, sich zu bewegen. Doch auf Dauer kann auch die katholische Kirche diesen Zwiespalt nicht verkraften.

r.seydewitz@volksfreund.de