Heiße Fahrt mit "Damenschoner"

Heiße Fahrt mit "Damenschoner"

In den Jahren 1946 und 1947 hatten alle politisch unbelasteten Bürger ihre auf Luxemburger Seite in geschlossenem Bann liegenden Weinberge pachtweise zurückerhalten. In dieser Zeit hatten die Langsurer, wenn sie über die Wasserbilliger Brücke in die Weinberge gingen, fast immer einen Handwagen mit Geräten dabei.



Unter diesem Handwagen befand sich eine etwas kleinere Bauart, "Damenschoner" genannt.

Die vier Räder waren klein und niedlich, und der Boden des Handwagens ging bis ungefähr 20 Zentimeter an die Fahrbahn heran. Unter diesen Boden wurde in der Mitte eine nach hinten offene, annähernd acht Zentimeter hohe, 20 Zentimeter lange und 20 Zentimeter breite Blechkiste montiert. In diesem Blechkistchen konnte man also kleinere Mengen an Kaffee und Zigaretten verstauen und schmuggeln.

Einmal kam es jedoch vor, dass mitten auf der Brücke zwei Päckchen Zigaretten, die sich durch die Erschütterungen während der Fahrt auf den schlechten Straßen gelöst hatten, auf den Boden fielen. Es überkam den "Fuhrmann" des Gefährtes siedend heiß. Im letzten Moment wurde die Situation jedoch von dem etwas dahinter gehenden Vater gerettet, indem er mit dem Fuß gegen die Päckchen trat, so dass diese in der Sauer verschwanden.

Zweimal wurde der Handwagen unterhalb kontrolliert, indem sich einer der Beamten auf die Knie ließ und darunter schaute. Beide Male entdeckte man nichts. Hätte man allerdings mit der Hand darunter gefühlt oder sich an den Abstieg, den Anfang der Brücke gestellt, wäre alles aufgeflogen.

Da die Gefahr, entdeckt zu werden, also ziemlich groß war, montierte man nach einer dritten glücklich verlaufenen Kontrolle den Behälter ab. Der Damenschoner wurde aber noch oft mit einer kleinen Beigabe, versteckt auf seiner natürlichen Ladefläche, über die Grenze gezogen.

Erwin Weber, Langsur

In einem weiteren Zeitzeugenbericht erzählt Erwin Weber, wie der treue Langsurer Hund "Fiffi" beim Schmuggeln mithalf.

Siehe www.volksfreund.de/zeitzeugen