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Helmut Kohl hinterlässt Spuren in der Region

Helmut Kohl hinterlässt Spuren in der Region

Ein guter Draht zum Kanzler bescherte Trier und seinem Umland eine Uni, eine Autobahn, ein Gewerbegebiet und einen internationalen Skandal.

Trier/Bitburg. Zwei mächtige Männer treffen sich auf einem Friedhof, sie legen Kränze nieder und reichen sich die Hand. Eine Geste der Völkerverständigung sollte es werden, als Bundeskanzler Helmut Kohl und US-Präsident Ronald Reagan am 5. Mai 1985 auf der Bitburger Kolmeshöhe zusammenkamen, um an die Befreiung von der Nazi-Diktatur zu erinnern. Doch geriet das Treffen zur peinlichen Affäre. Lagen auf ebenjenem Friedhof doch auch mehr als 40 Mitglieder der Waffen-SS.
Statt eines Gefühls von Frieden und Versöhnung folgten Demonstrationen, Schlagzeilen und sogar ein Punkrocksong der US-Band Ramones ("Bonzo goes to Bitburg"), der das Geschehen kritisch beleuchtete. Dies war wohl der umstrittenste Besuch Kohls in der Region Trier - aber natürlich nicht der einzige: Wie eine Recherche des 2014 verstorbenen TV-Redakteurs Dieter Lintz 2010 zeigte, pflegte Kohl eine enge Verbindung zur Region.
"Manchmal kam er ohne große Ankündigung mit seinen Mitarbeitern aus Bonn zu einem Betriebsausflug", erzählte der frühere Trie-rer OB Helmut Schröer, "dann lief er einfach durch die Stadt, und die Leute waren völlig erstaunt".
Kohls Mosel- und Eifel-Visiten gehen bis in die frühen 60er Jahre zurück. Damals schmiedete der spätere Kanzler an seinen legendären Seilschaften.
Für die Region zahlten sich die guten Verbindungen aus. Die Gründung der Uni Trier-Kaiserslautern, der Aufbau der Verkehrs-Infrastruktur, die Umwandlung des Bitburger Flugplatzes in ein Gewerbegebiet: Ohne Kohls Wohlwollen wäre da nichts gegangen. Wie damals Politik gemacht wurde, illustriert die Überlieferung eines Besuchs von Kohl und Heinrich Holkenbrink in Prüm: Der listige Verkehrsminister soll die Karosse des Regierungschefs über vermeintliche Abkürzungen so gelotst haben, dass man auf miserablen Landstraßen hängenblieb - was den Bau der Eifel-Autobahn nachhaltig beschleunigte.
Viele der Erinnerungen aus der Region zeichnen ein völlig anderes Bild, als es mit dem späten, fast monumentalen Helmut Kohl verbunden wird. "Er war für uns ein jugendlicher Wirbelwind", erzählte der Konzer Politiker Manfred Wischnewski, der damals dem Bezirk der Jungen Union vorstand, Dieter Lintz im Jahr 2010.
Der Oggersheimer galt vor allem als Mann des Volkes. Dem Eifel-Abgeordneten Michael Billen hat imponiert, dass Kohl sein Wurstbrot bei einem Besuch in Kaschenbach aus der Hand gegessen hat. Aber Kohls volkstümliche Bodenständigkeit, die ihn zum Objekt mancherlei intellektuellen Spotts werden ließ, war nur eine Facette. Alte Wegbegleiter zeichneten in Lintz' Artikel auch das Bild eines "belesenen Menschen", der Stammgast in der Bibliothek des Landtags war, sich mit Literatur und Kunst beschäftigte. Kohls Faible für Trier blieb über seine Amtszeit hinaus. "Er sah uns wohl als Symbol für die Aussöhnung mit Frankreich und Luxemburg, die ihm sehr wichtig war", glaubt Ex-OB Schröer. Im Gegenzug war die Stadt 1999 drauf und dran, den Mann aus Ludwigshafen zum Ehrenbürger zu machen. Schröer hatte die Mehrheiten zusammen, und Kohl hatte Zustimmung signalisiert. Doch dann kam der mächtige Schatten des CDU-Spendenskandals - und so waren die Pläne vom Tisch.
Kohls letzter Auftritt in Trier im Jahr 2006 markiert ein Stück politische Tragik: Er kam, um seinen politischen Ziehsohn Christoph Böhr im Landtagswahlkampf zu unterstützen. Böhr verlor, trat zurück und kämpfte später selbst mit einer Parteienfinanzierungs-Affäre. Vater der Einheit und großer Polarisierer

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