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Herzliche Aufnahme, schmerzliche Bürokratie

Herzliche Aufnahme, schmerzliche Bürokratie

Ein Leben als Landarzt: Für Alexandros Tsallas, der seit Januar in der Eifel praktiziert, war das die richtige Entscheidung. Allerdings kritisiert er den Bürokratie-Aufwand und meint, diesen zu verringern sei besser, als den Numerus clausus abzuschaffen.

Stadtkyll. Seit dem 1. Januar praktiziert Alexandros Tsallas in Stadtkyll (Landkreis Vulkaneifel), gemeinsam mit dem seit vielen Jahren dort niedergelassenen Kollegen Josef Ballmann. Tsallas übernahm die Stelle von Otto Glandien, nachdem dieser in den Ruhestand gegangen war. Tsallas, 38-jähriger Facharzt für Innere Medizin, arbeitete davor elf Jahre lang im Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Seinen Wechsel aufs Dorf im Norden der Region bereut er nicht: "Auf keinen Fall", sagt er. "Bisher ist alles sehr positiv. Und ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden."

Landarzt zu sein -"das war immer mein Berufsziel", sagt Tsallas. "Das kenne ich vom Elternhaus, mein Vater war auch niedergelassener Arzt. Das Schöne an dieser Medizin ist, dass man jemanden begleiten kann." Im Krankenhaus seien die meisten Patienten nach ein paar Tagen wieder verschwunden. "Aber hier kriegt man die ganzen Familienverhältnisse mit." Ein weiterer Grund für den Schritt hinaus aufs Land: die hohe Dienstbelastung im Krankenhaus.

Mediziner plädiert für mehr selbstbestimmtes Handeln



In dieser Hinsicht hat er sich allerdings dann doch vertan: "Über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beklagen", sagt er und lacht. Das mache ihm unterdessen weit weniger aus als die Bürokratie: "Das schreckt viele ab. Aber das ist das System." Den Numerus clausus als Zugangsbeschränkung für die Universitäten abzuschaffen, sei daher nicht der richtige Weg: "Es kann ja nicht sein, dass einer mit einem Vierer-Abitur an die Uni geht. Die würde dann überschwemmt. Und dann wäre dort das Auswahlverfahren problematisch." Zudem, ergänzt Kollege Josef Ballmann, würden die derzeit diskutierten Änderungen ja erst in mindestens zwölf Jahren greifen: Erst dann werden die neuen Ärzte ausgebildet sein.

Mehr selbstbestimmtes Handeln, weniger Druck von den Krankenkassen, weniger finanzielle Risiken für niedergelassene Ärzte: An diesen Punkten müsse die Politik ansetzen, sagt Alexandros Tsallas. "Dann würden auch mehr Leute kommen."