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"Hier ist mein Zuhause"

Gesellschaft, Freizeitprogramm, Rundum-Versorgung: Die Vorzüge eines Lebens im Seniorenheim überzeugen Katharina Jäger.Foto: Inge Kreutz
Gesellschaft, Freizeitprogramm, Rundum-Versorgung: Die Vorzüge eines Lebens im Seniorenheim überzeugen Katharina Jäger.Foto: Inge Kreutz
TRIER. Ein Lebensabend im Seniorenheim - für viele Menschen ist das eine schlimme Vorstellung. Ganz zu unrecht, findet Katharina Jäger. Um die fast 92-Jährige Heimbewohnerin dreht sich der heutige Teil unserer Serie "Wohnen im Alter". ARRAY(0x1a52e7658)

"Selbst, wenn ich könnte - ich wollte nicht mehr zurück!" Das ist ein überraschender Satz, wenn ihn eine Frau sagt, die nach fast neun Jahrzehnten in Trier-Ehrang nach Salmtal ins Seniorenheim zog. "Ich werde hier so gut versorgt", erzählt Katharina Jäger. Und wenn Sie vom Freizeitprogramm des Seniorenhauses "Zur Buche" spricht, gerät die demnächst 92-Jährige ins Schwärmen: Grillpartys. Auftritte des örtlichen Musikvereins, einer Ballettgruppe. Ausflüge. "Neulich sind wir sogar mit dem Schiff gefahren. Ich habe so viel Abwechslung hier!""Nicht alles glauben, was erzählt wird"

Die eigene Wohnung gegen ein Zimmer samt Mitbewohnerin eintauschen, die Familien-Möbel gegen eine Heim-Einrichtung, Freiheit gegen einen vorgegebenen Tagesablauf - steckt sie das, weshalb viele Menschen einen Umzug ins Heim ablehnen, tatsächlich einfach so weg? "Natürlich fällt es schwer, alles aufzugeben, woran man hängt. Manchmal trauere ich schon ein bisschen. Aber ich lasse mich nicht hängen!" Schließlich war die Wohnung in Ehrang zuletzt alles andere als ein Paradies. Der Ehemann tot, der einzige Sohn in einem anderen Teil Deutschlands. Die schlimmen gesundheitlichen Probleme und das damit einhergehende Gefangensein in den eigenen vier Wänden. Das Alleinsein. Die trüben Gedanken, abends, wenn es dunkel wurde. "Jetzt kann ich wieder denken. Jetzt bin ich wieder da", sagt die schicke alte Dame und lächelt. Ihr Rat an Menschen, denen beim Gedanken an ein Seniorenheim graut? "Man soll nicht alles glauben, was erzählt wird!" So leicht wie Katharina Jäger nehmen freilich auch im "Haus zur Buche" nicht alle Bewohner den Umzug ins Heim. "Sechs Wochen dauert es meistens schon, bis sich die Menschen einzuleben beginnen", sagt die Leiterin des Seniorenhauses, Marion Kunz. Sie geht davon aus, dass das Wohnen im Heim sich prinzipiell für jeden älteren Menschen eignet. "Am leichtesten fällt der Umzug Leuten, die sich frühzeitig Gedanken gemacht, verschiedene Häuser angeschaut und sich überlegt haben, wo sie später einmal leben möchten", sagt Marion Kunz. Ungleich schwerer hätten es Menschen, die plötzlich und ohne sich von ihrer Umgebung verabschieden zu können, in ein Heim müssten - etwa nach einem Aufenthalt im Krankenhaus. Katharina Jäger hatte sich schon Jahre vor ihrem Umzug ins Seniorenhaus mit diesem Gedanken beschäftigt. "Ich wollte niemandem zur Last fallen. Ich habe immer zu meinem Sohn gesagt: Tut mich später in ein Heim." Bereut habe sie ihren Schritt nie, sagt Katharina Jäger. "Ich würde es jederzeit wieder machen. Das hier ist jetzt mein Zuhause."