Historische Chance

Nach über einem halben Jahrhundert nähert sich die Ära Fidel Castro auf Kuba ihrem Ende. Dass dieses stalinistische Fossil so lange sein Volk im Würgegriff der Diktatur halten und ihm den Weg in moderne und bessere Zeiten verwehren konnte, grenzt schon an ein Wunder.

Doch vor allem die Insellage und natürlich auch die Unterstützung Moskaus in jüngeren Jahren machte Castro quasi unangreifbar - insgesamt acht US-Präsidenten bissen sich bisher an dem kommunistischen Nachbarn die Zähne aus. Doch wie stehen nun die Chance für eine Wende hin zu demokratischen Verhältnissen? Dass Fidel Castro irgendwann wieder seine Amtsgeschäfte aufnehmen wird, erscheint angesichts der Verlautbarungen aus Havanna und der Schwere der Erkrankung eher ausgeschlossen. Der designierte wie verfassungsmäßige Nachfolger als Kommunisten-Parteichef und "Landesvater" ist sein Bruder Raúl, der 75-jährige Verteidigungsminister des Landes. Doch dieser fällt, was Charisma, Beliebtheit und Überzeugungskraft angeht, deutlich ab. Damit verbindet sich vor allem für die US-Regierung, die stets so gerne von mehr Freiheit für die Bürger Kubas redet, eine einzigartige Chance: Mit einem schnellen Verzicht auf das seit Langem international kritisierte und erwiesenermaßen unwirksame Embargo könnte Bush nun die Weichen dafür stellen, dass Kuba noch stärker westlichen Einflüssen ausgesetzt wird - und somit langfristig die Chancen steigen, dass der Ruf der kubanischen Bevölkerung nach besseren Lebensbedingungen für die neue Führung unüberhörbar wird. nachrichten.red@volksfreund.de

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