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Hochmoselübergang und B50neu – von Baustopp keine Spur

Hochmoselübergang und B50neu – von Baustopp keine Spur

Trotz des von SPD und Grünen vereinbarten Baustopps wird weiter an der Bundesstraße 50 neu zwischen Wittlich und Longkamp gebaut. Bislang ist nur die Vergabe von drei neuen Teilprojekten zurückgestellt worden.

Wenn sich die Landräte Günther Schartz (Trier-Saarburg) und Joachim Streit (Bitburg-Prüm) heute Morgen mit Alexander Licht in Platten (Landkreis Bernkastel-Wittlich) treffen, dann werden sie den Weiterbau der B 50 neu fordern. Sie wenden sich zudem gegen den von SPD und Grünen gewünschten zeitweisen Bau- und Vergabestopp für die einzelnen Teilprojekte auf der insgesamt rund 25 Kilometer langen Strecke zwischen Wittlich und Longkamp (der TV berichtete).

Doch verlassene Baustellen werden die beiden Landräte sowie der erste Bernkastel-Wittlicher Kreisbeigeordnete bei ihrem Treffen nicht sehen. Weder im ersten Bauabschnitt zwischen der Autobahn und Platten, noch im zweiten zwischen der Gemeinde im Liesertal und dem Moselsporn. Denn es wird augenscheinlich weitergebaut wie geplant.

Keine offizielle Auskunft



Was, wo, wie gebaut wird oder nicht, weiß das Mainzer Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Es will es jedoch nicht sagen. Mit Hinweis auf die laufenden Koalitionsgespräche teilt eine Ministeriumssprecherin nur mit, dass wegen des Baustopps mit allen beteiligten Firmen gesprochen worden sei. Das Ergebnis dieser Gespräche behält sie für sich.

Außerdem sagt sie, dass noch rund 750 000 Kubikmeter Erdreich dort lagern, wo später die Fahrbahn der neuen Bundesstraße von der Autobahn bis zur Anschlussstelle bei Platten entlangführt. Das entspricht rund 62 500 Sattelschlepper-Ladungen. Diese Erde soll im zweiten Bauabschnitt verbaut werden.

Ob die vom Land wegen eines freiwilligen Baustopps angesprochenen Betriebe die Arbeit ruhen lassen und wie viele Brückenbauwerke bereits fertiggestellt sind oder wie viele derzeit gebaut werden, sagt sie nicht.

Gegenüber Vertretern von Orts- und Verbandsgemeinden hat sich das Land weniger zugeknöpft gezeigt. In dieser Woche hat der Landesbetrieb Mobilität in einer Besprechung mit Vertretern der Anliegergemeinden an der neuen Straße mitgeteilt, dass es 41 Brückenbauwerke und Tunnel auf der Strecke gibt.

19 dieser Teilprojekte sind fertiggestellt, bestätigt Plattens Ortsbürgermeister Alfons Kuhnen. An elf weiteren wird derzeit gebaut. Für die 160 Meter hohe Moselbrücke laufen die statischen Berechnungen, der Stahl ist nach einer früheren Auskunft des Verkehrsministeriums bereits bestellt. In der Ausschreibung für die rund 1700 Meter lange Brücke ist von rund 4000 Tonnen Betonstahl und 25 000 Tonnen Baustahl die Rede. Bleiben unter dem Strich weitere elf Bauwerke. Für drei Projekte sind nach Auskunft des Ministeriums in Mainz Vergaben aufgrund der politischen Vorgabe zurückgestellt. Dadurch entstünden keine Kosten.

Inzwischen hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer klargestellt, wer zahlen soll, falls doch Kosten durch einen Baustopp oder eine Bauverzögerung entstehen: Er drohte am Donnerstag mit Schadensersatzforderungen an das Land. Wer Mehrkosten durch Verzögerungen oder den Abbruch des Vorhabens zu verantworten habe, müsse auch für die Folgen und die "immensen Entschädigungszahlungen" einstehen, sagte Ramsauer in Berlin.

Inzwischen machen Kommunen gegen ein mögliches Ende der Bauarbeiten mobil. So hat unter anderem die Verbandsgemeinde Wittlich-Land eine Resolution für einen Weiterbau verabschiedet, weitere sollen folgen. Unter anderem hat auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis) an Ministerpräsident Kurt Beck sowie an die Grünen-Landesspitzen Eveline Lemke und Daniel Köbler geschrieben. Er fordert im Brief den Weiterbau der Straße.