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Hochwald entscheidet über Nationalpark

Hochwald entscheidet über Nationalpark

Das Umweltministerium treibt die Planungen für einen Nationalpark in Rheinland-Pfalz voran. Im Juni startet eine neue Dialogphase mit den Bürgern. Im Oktober soll das Landeskonzept stehen. Mitte 2014 könnte der Park öffnen.

Mainz. Anregungen, Ängste, Forderungen: Rund 1900 Karteikarten, erarbeitet von zahlreichen Bürgern in Arbeitskreisen, hat das Mainzer Umweltministerium seit dem Startschuss für das Projekt Nationalpark vor einem Jahr bereits auf den Tisch bekommen. Auch das unter Federführung des Naturparks Saar-Hunsrück entstandene kommunale Eckpunktepapier der betroffenen Landkreise Birkenfeld, Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich sowie der sechs Verbandsgemeinden - darunter in der Region die VG Thalfang und die VG Hermeskeil - liegt vor. Jetzt ist es Aufgabe des Ministeriums, aus allem ein Landeskonzept zu basteln. Auch das Saarland ist mit dem Kreis St. Wendel im Boot.Holznutzung und Regeln


Gestern hat Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) den Zeitplan vorgestellt. Ihr Credo: "Der Nationalpark ist ein Vorhaben besonderer Art, kein Bauwerk, das man irgendwo hinstellt." Höfken will nicht, dass Bürger nur mit Ja oder Nein stimmen, sondern dass sie ihre Ideen einbringen und mitmachen. Sie will Befürworter und Gegner "nicht auf die Bäume jagen". Entsprechend bietet das Ministerium von Juni bis August fünf Nationalpark-Foren in der Region an, bei denen es etwa um die Holznutzung oder die Regeln im Park geht (siehe Extra).
Der geplante Nationalpark, in dem sich die Natur frei von menschlichen Eingriffen entwickeln soll, wird etwa 10 000 Hektar Staatswald umfassen. Ob er kommt, entscheiden die Kommunalparlamente der Region, die ab Oktober das Landeskonzept beraten und darüber beschließen sollen. Projektleiter Harald Egidi stellt klar, einzelne Orts- oder Verbandsgemeinden hätten kein Vetorecht. "Wir orientieren uns an den Mehrheiten", sagt er.
Ministerin Ulrike Höfken ist optimistisch, die Skeptiker überzeugen zu können. Kürzlich hatte in einer Forsa-Umfrage eine Mehrheit der Bürger gegen das Projekt votiert. Höfken sagt dazu: "Die Frage ist, wie man fragt. Für die Bürger war die Umfrage eher eine Täuschung." So habe eine Frage gelautet, ob die Befragten einheimisches oder ausländisches Holz bevorzugten. Das führe jedoch in die Irre, denn nur ein bis zwei Prozent der Waldfläche im geplanten Nationalpark werde in den Sägewerken verarbeitet.
Höfken betont: Deutschland und damit auch Rheinland-Pfalz folgen der UN-Biodiversifizierungsstrategie, die besagt, dass künftig zehn Prozent des öffentlichen Waldes unangetastet bleiben sollen. "Das Holz wird ohnehin in ein Schutzkonzept überführt, ob in einem Nationalpark oder nicht", sagt die Ministerin.Nicht nur ökologische Ziele


Die Landesregierung verfolgt mit dem Projekt Nationalpark nicht nur ökologische Ziele. Es geht auch darum, Strategien für den demografischen Wandel und dessen negative Folgen für den ländlichen Raum zu finden. Laut Projektleiter Egidi geht es um berufliche Perspektiven, Infrastruktur oder eine verstärkte touristische Nutzung. Im Hochwald sei der Aderlass mit etlichen leerstehenden Gebäuden bereits da. Bis 2030 werde es einen weiteren Bevölkerungsschwund von 14 bis 20 Prozent geben.
Die zehn anerkannten Naturschutzverbände in Rheinland-Pfalz begrüßen das Vorhaben. Der Park müsse in erster Linie Naturschutzfunktionen erfüllen, fordern sie in einem Positionspapier. Die Umweltministerin verspricht, das Papier zu prüfen und zu berücksichtigen. Ulrike Höfken geht davon aus, nach der kommunalen Entscheidung Ende Oktober das rechtsförmliche Verfahren einleiten zu können. Dann bedürfe es noch einer gemeinsamen Verordnung mit dem Saarland, ehe der Nationalpark Mitte 2014 öffnen könne.Extra

Das Umweltministerium informiert ab Juni Bürger, kommunale Vertreter, Verbände, Vereine und Interessierte öffentlich in fünf Nationalpark-Foren über die erarbeiteten Teilergebnisse des Landeskonzepts: 12. Juni, 19 Uhr, Bürgerhaus Züsch: Welches Gebiet umfasst der Nationalpark?; 25. Juni, 18 Uhr, Gemeinschaftshaus Hattgenstein: Wie ist der Nationalpark organisiert? Welche Regeln gibt es?; 11. Juli, 18 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Schwollen: Was wird aus Borkenkäfern und Wildbeständen im Nationalpark?; 25. Juli, 18 Uhr, Hunsrückhaus am Erbes-kopf: Wie entwickeln sich Naturwald und Biotope im Nationalpark?; 26. August, 18 Uhr, Bürgerhaus Neuhütten: Wie gestalten wir Umweltbildung im Nationalpark?fcg