Hoffen auf die Elfenbeinküste

Hoffen auf die Elfenbeinküste

TRIER/FRANKFURT. Zeit für Glücksritter: Wer noch an begehrte WM-Tickets rankommen will, muss auf exotische Fußball-Nationen setzen. Oder das Geld für die nächsten fünf Sommer-Urlaube in ein Luxus-Karten-Paket investieren.

Echte Fußballfreaks schauen zurzeit gespannt auf die ferne Elfenbeinküste. Die dortige National-Equipe um Chelsea-Star Didier Drogba führt haushoch die Afrika-Qualifikationsgruppe drei an und dürfte zu jenen Teams gehören, deren mutmaßliche Spiele bei der Fußball-WM 2006 man ab heute via Internet buchen kann. Nun interessieren die Kicker vom Äquator normalerweise hierzulande keinen, so wenig wie die Kollegen aus Togo, Iran oder den Salomon-Inseln. Aber die Serien-Tickets für die Spiele aller halbwegs renommierten Mannschaften sind längst ausverkauft, und die Exoten mit guten Quali-Chancen eröffnen spekulationsfreudigen Fans ungeahnte Möglichkeiten. Das kommt so: Wer beispielsweise ein Sieben-Spiele-Paket für die Elfenbeinküste erwirbt (Preis: zwischen 715 und 1760 Euro), darf "sein" Team vom ersten Vorrundenspiel bis zum Finale begleiten. Scheidet die Gurkentruppe frühzeitig aus, überträgt sich das Besuchsrecht auf die Spiele des jeweiligen Gruppensiegers – möglicherweise Italien, England oder gar Deutschland, je nach Los- und Spielglück. Das gleiche System gilt für die Finalrundenspiele. Pech wäre natürlich, wenn die Elfenbeinküste tatsächlich bis ins Finale kommt. Oder wenn sie wider Erwarten doch die Qualifikation gänzlich verpasst. In letzterem Fall gäbe es aber immerhin das Geld zurück. Wer sich auf solcherlei Unwägbarkeiten nicht einlassen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Auf der offiziellen Fifa-Website www.fifaworldcup.yahoo.com findet sich auf der Ticket-Seite gleich neben den Verlosungshinweisen fürs gemeine Volk ein unauffälliger Link mit Namen "Hospitality". Mit dem Slogan "Willkommen bei Freunden" wird begrüßt, wer sich seine Fahrkarte zum Kicker-Glück so richtig was kosten lassen will. "Kein Billigprodukt, aber nicht exorbitant"

Das weltweit agierende Vermarktungsunternehmen "ISE" verfügt über fast zwölf Prozent des Ticket-Bestandes. Kein Wunder, dass Manager Peter Bsanadi jedem eine Eintrittskarte versprechen kann, "der sicher stellen will, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist". Schickes Catering und ein Parkplatz in Stadionnähe gehören zum Hospitality-Paket. Solcher Luxus kostet allerdings einiges. Das Arrangement mit drei Spielen in Kaiserslautern (zwei Mal Vorrunde, ein Achtelfinale) ist mit 1900 Euro pro Person so ziemlich das preiswerteste Schnäppchen im ISE-Angebot. Ganz schön viel Geld, um nachher möglicherweise Japan gegen Marokko spielen zu sehen. Am oberen Ende des Preis Spektrums rangiert ein Sechser-Paket für Berlin, mit vier Vorrundenspielen, einem Viertelfinale und dem Endspiel. 13 200 Euro pro Nase (also 2200 pro Spiel) sind da fällig, wobei man allerdings noch zwei Pakete aus Kaiserslautern, Hannover und ähnlich attraktiven Standorten dazu kaufen muss, ob man will oder nicht. Macht unterm Strich 16 000 Euro für zwölf mal 90 Minuten Fußball, Fahrten und Hotel nicht eingerechnet. Das sei "kein Billigprodukt", sagt der umgängliche und auskunftsfreudige Herr Bsanadi, aber beileibe "nicht exorbitant". Für richtige Fans sei das "eine Alternative zum Urlaub", viele Karten würden auch von Unternehmen gekauft. Ein Drittel seines Kontingents ist schon weg, obwohl keine Nation außer Deutschland bislang überhaupt weiß, ob sie dabei ist. Da steckt "noch jede Menge Verkaufspotenzial" drin, versichert Bsanadi gut gelaunt, "wir liegen voll im Markt". Für die Fifa geht die Rechnung allemal auf. Zwölf Prozent Karten zum zehnfachen Preis, da kommt über "Hospitality" kaum weniger rein als beim kompletten sonstigen freien Verkauf. Ähnlich dürfte es bei den 18,9 Prozent vom Karten-Kuchen sein, die an "Freunde und Förderer", sprich kräftig zahlende Sponsoren, gehen. Aber zumindest da steckt auch eine Hoffnung für die gewöhnlichen Feld-, Wald- und Wiesenfans drin. Schließlich, so vermutet Kaiser Franz Beckenbauer höchstpersönlich , würden "viele dieser Tickets über Gewinnspiele verteilt".