Hoffnungsschimmer

Trotz der noch nicht in allen Regionen beendeten Stimmen-Auszählung ist der Ablauf des Verfassungsereferendums im Irak durchaus als Erfolg zu bewerten. Zum einen hielt sich die Zahl der Gewalttaten in deutlichen Grenzen.

Trotz der noch nicht in allen Regionen beendeten Stimmen-Auszählung ist der Ablauf des Verfassungsereferendums im Irak durchaus als Erfolg zu bewerten. Zum einen hielt sich die Zahl der Gewalttaten in deutlichen Grenzen. Und zum anderen beteiligte sich offenbar auch eine unerwartet große Zahl an Sunniten an der Abstimmung. Das birgt - auch wenn diese Bevölkerungsgruppe mehrheitlich den Entwurf ablehnen sollte - zumindest einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft in sich: Denn es zeigt, dass auch die ehemaligen Unterstützer Saddam Husseins sich für den demokratischen Prozess langsam öffnen - eine Entwicklung, die nach jahrzehntelanger Tyrannei und Unterdrückung allerdings weiter Zeit und Geduld braucht. Zudem ist immer noch offen, ob nicht eine deutliche Änderung der Verfassung nowendig sein wird, um langfristig eine gewaltsame Reaktion der sich als deutlich benachteiligt fühlenden Sunniten zu verhindern. Eine der Kernfragen ist nun, ob ein beschleunigter Abzug der amerikanischen und britischen Truppen positive Nebenwirkungen - auch bei den im Dezember bevorstehenden Wahlen - entfalten könnte. Gerade innerhalb der europäischen Friedensbewegung ist es ein beliebter Reflex, immer wieder das sofortige Abrücken der "Besatzer" - von Befreiern mag man hier nicht reden - zu fordern. Doch wäre es wirklich ein vielversprechender Weg, die Iraker selbst ihre Zukunft ausfechten zu lassen? Das Beispiel Libanon hat gezeigt, dass in solchen Fällen oft erst nach einem blutigen Bürgerkrieg verfeindete Volksgruppen eines Landes zu einem Kompromiss finden. Und: Erst vergangene Woche zeigte ein Brief des El Kaida-Statthalters im Irak, Ayman al-Sawahari, welche Strategie die Terroristen dort verfolgen: Sie streben nun mit allen Mitteln einen radikalislamischen Fundamentalismus im Stil der Taliban an - eine Strategie, die deutlich macht, warum George W. Bush weiter von einer vermutlich noch jahrelangen Präsenz von US-Truppen im Irak ausgeht. nachrichten.red@volksfreund.de