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Hohe Erwartungen und ein Versprechen des Bischofs

Hohe Erwartungen und ein Versprechen des Bischofs

Es soll keine Tabuthemen geben, die im Dezember beginnende Diözesansynode dürfe über Gott und die Welt reden, heißt es im Vorfeld. Mit dieser Ankündigung schürt Triers Bischof Stephan Ackermann Erwartungen.

Trier. Seit Stephan Ackermann bekanntgegeben hat, dass es im Bistum Trier zum ersten Mal nach über einem halben Jahrhundert wieder eine Synode geben wird, ist fast auf den Tag genau ein Jahr vergangen. Und so langsam rückt der Zeitpunkt der ersten Vollversammlung der über 250 Synodalen näher. Wer dazugehört, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Einige, etwa die Weihbischöfe oder die Mitglieder des Priesterrats, gehören aufgrund ihres Amts dazu, andere - etwa Vertreter aus den Jugend- oder Erwachsenenverbänden - werden gewählt. Und etwa jeder dritte Synodale wird durch den Bischof berufen. "Das werden überwiegend Laien sein", sagt Synodensekretär Christian Heckmann.
So wie die meisten Mitglieder der Synode noch nicht feststehen, ist auch die Themensuche noch in vollem Gang. Der Trierer Bischof hätte einzelne Themen, bei denen er Beratungsbedarf verspürt, festlegen können und die Synode nur darüber befinden lassen. Doch er habe darauf bewusst verzichtet, sagt Stephan Ackermann und verspricht im Gegenzug, die Beschlüsse der Synode als bindend anzusehen und sie umzusetzen.
Eine Ankündigung, bei der sich der ein oder andere Kollege Ackermanns heimlich ins Fäustchen lachen dürfte. Dass seit der jüngsten Synode in einem deutschen Bistum ein Vierteljahrhundert vergangen ist, dürfte kein Zufall sein. "Da hat so mancher Bischof später vor einem Synodenbeschluss gestanden und nicht gewusst, was er damit machen soll", schwant auch Ackermann, dass er bei Gläubigen und Klerikern durch die Synode Erwartungen wecken könnte, die womöglich schwer zu erfüllen sind.
Erwartungen hat auch die amtskirchenkritische Bewegung Wir sind Kirche. Die Themen wieder verheiratete Geschiedene, Umgang mit Homosexualität oder Frauenordination müssten von der Synode offensiv angegangen werden, sagt der auch für Trier zuständige Sprecher Hanspeter Schladt.
Die Dechanten des Bistums sprachen sich am Wochenende dafür aus, bei der Synode etwa über die Aufgabenverteilung zwischen den Pfarreiengemeinschaften oder die Rolle von Laien in sich verändernden Kirchenstrukturen zu reden.
Und auch aus den Pfarreiengemeinschaften selbst hat das Synodensekretariat schon Themenanregungen bekommen: "Da fehlt in den neuen, größeren Strukturen einigen Gläubigen die Nähe zum Seelsorger", sagt Synodensekretärin Elisabeth Beiling, "oder sie wollen wissen, welche Antworten die christliche Botschaft auf die Fragen von heute hat."
Man kann bereits erahnen, dass es an Diskussionsvorschlägen für die Synode keinen Mangel geben wird. Bis Herbst sollen alle Themen feststehen.Extra

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat eine Synode einberufen. Aber was ist das? Eine Synode ist eine Versammlung von katholischen Priestern und einfachen Gläubigen. Ein Bischof, also der oberste Priester in einem Gebiet, lädt zu diesem Treffen ein. Es kann einmal sein oder häufiger. Bei der Trierer Synode sind vier Treffen geplant. Die Synode soll den Bischof bei wichtigen Fragen beraten. Welche Themen das sind, kann der Bischof selbst sagen. Alles Wichtige über das Treffen steht in einem Buch über das Kirchenrecht. Danach müssen sich die katholischen Bischöfe in der ganzen Welt richten. In dem Buch steht zum Beispiel drin, dass bei den Treffen keine Meinung unter den Tisch fallen darf. Heißt: Wer etwas sagen möchte, darf das auch. Auch ein Bischof darf dem oder der Gläubigen nicht das Wort verbieten. Synoden sind in Deutschland selten. In den vergangenen 50 Jahren gab es gerade einmal drei davon, die letzte vor fast 25 Jahren in Augsburg. Die letzte Synode in Trier gab es 1956. Damals durften nur Priester an solchen Treffen teilnehmen. Heute sind auch ganz normale Gläubige dabei. Bei der im Dezember beginnenden Synode in Trier werden sogar mehr Laien als Priester dabei sein. Ob der Bischof macht, was seine Berater ihm empfehlen, entscheidet am Ende er allein. seyExtra

Das Bistum Trier ist das älteste in Deutschland. Es erstreckt sich über eine Fläche von 12 870 Quadratkilometern und umfasst das nördliche Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Ausnahme des Saarpfalz-Kreises, der zum Bistum Speyer gehört. Im Bistum Trier, das Grenzen zu Frankreich, Luxemburg und Belgien hat, leben etwa 2,5 Millionen Menschen; davon sind knapp 1,5 Millionen katholisch. Als erster Bischof von Trier gilt der heilige Eucharius, der dort Mitte des dritten Jahrhunderts gewirkt haben soll. Das spätere Erzbistum, dessen Oberhirten wiederum später auch Kurfürsten waren, war eines der wichtigsten im alten deutschen Reich. Es umfasste ein Gebiet vom französischen Stenay an der Maas im Westen bis vor Gießen im Osten. Die Franzosenherrschaft brachte zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Aus für das Erzbistum und Kurfürstentum Trier. Als danach 1821 die Grenzen des Bistums neu festgelegt wurden, kam es zur Kirchenprovinz des Erzbistums Köln. Der amtierende Trierer Bischof Stephan Ackermann ist nach offizieller Zählung der 103. in der Geschichte des Bistums. KNA