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Homosexuelle feiern ein historisches Ereignis

Homosexuelle feiern ein historisches Ereignis

Ehen und eingetragene Partnerschaften sind sich in vielem ähnlich. Doch Vorkämpfern aus der Region geht es um mehr.

Trier In den Niederlanden, in Dänemark oder Belgien ist es längst selbstverständlich, dass Menschen die sich lieben, heiraten dürfen - ganz egal, welches Geschlecht der Partner hat. In Deutschland hingegen gilt jahrzehntelangen Protesten zum Trotz noch immer, dass die Ehe Heterosexuellen vorbehalten ist. Homosexuelle können ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen.
Der Unterschied mag auf den ersten Blick klein erscheinen. Sind sich die klassische Ehe und die eingetragene Partnerschaft doch in vielen Punkten ähnlich: Die Partner verpflichten sich, einander beizustehen, sie können gemeinsame Familiennamen annehmen, sie leben (sofern es keinen anderen Vertrag gibt) in einer Zugewinngemeinschaft, sie erben, wenn der andere stirbt, und selbst die steuerlichen Unterschiede wurden abgeschafft. Adoptionen jedoch sind eingetragenen Partnern - egal ob sie hetero- oder homosexuell sind - bisher nicht möglich. Auch ist nur die Ehe durch das Grundgesetz geschützt.
Allerdings geht es denen, die seit langem dafür kämpfen, dass auch Schwule und Lesben heiraten dürfen, um mehr. "Es geht uns ganz klar um die Menschenwürde", sagt Alex Rollinger, Vorstand des schwul-lesbischen Zentrums Schmit-z in Trier. Und es gehe um ein fundamentales Menschenrecht. "Wir wollen keine Extrawurst, wir wollen nix Besonderes, wir wollen die eine Ehe, die für alle gilt", sagt Rollinger, der die sich überschlagenden Ereignisse wie einen Krimi verfolgt hat. Noch immer sei er überrascht - und "total happy".
Dankbar ist er Volker Beck von den Grünen für den "Domino-Effekt", den dieser ausgelöst habe: Einer nach dem anderen sei umgekippt, "und am Ende war die Union isoliert". Angela Merkel hat das Votum im Bundestag zur Gewissensentscheidung gemacht. Und so gilt es als wahrscheinlich, dass die Ehe für alle schon diesen Freitag beschlossen wird. "Besser spät als nie", sagt Rollinger, der am Freitagabend im Schmit-z die Korken knallen lassen will, um ein historisches Ereignis zu feiern.
Der 1967 in Trier geborene Autor Johannes Kram, der auch durch seine erfolgreiche Marketingkampagne für Guildo Horns Auftritt beim Eurovision Song Contest bekannt ist, schreibt in seinem Blog "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber" : "Wenn die Ehe für alle diese Woche kommt, dann ist das nicht nur ein Sieg über einen verlogenen, menschenfeindlichen Konservatismus der Union." Es sei auch ein Schlag gegen einen angeblichen links-liberalen Mainstream, der fast gänzlich versagt habe. "Klar, jeder war dafür. Aber kaum einer hat dafür gestritten. Schwule und Lesben waren bis in letzter Sekunde fast auf sich alleine gestellt. Keiner ging ins Risiko. Das mussten wir selbst machen. Und im Endeffekt hat das dann Volker Beck für uns getan." Nicht Einsicht habe gesiegt. Sondern Druck, Druck und Druck.
Kram spricht von einem historischen Tag. "Oft waren wir ,proud to be gay'. Dabei waren wir in Wahrheit doch eher verzweifelt. Und auch, wenn der Kampf gegen Diskriminierung jetzt erst richtig losgeht, dürfen wir es ohne Vorbehalte sein: stolz!"