"Ich habe die Entschuldigung angenommen"

"Ich habe die Entschuldigung angenommen"

Als Jugendlicher wird Armin Meier (Name geändert) von einem Geistlichen sexuell missbraucht. 40 Jahre später sitzt er dem Täter wieder gegenüber. Der Kleriker zeigt Reue und zahlt ein "Buß-Geld". Nach Auskunft des Bistums Trier hat es bereits mehrere Täter-Opfer-Gespräche gegeben.

Trier. (kat) Es ist ein bedeutender Schritt für Armin Meier, der ein schweres Schicksal erlitten hat: Anfang der 70er Jahre wurde er von einem Geistlichen im Bistum Trier mehrmals sexuell missbraucht. Vier Jahrzehnte später lässt er sich auf ein Gespräch mit dem Täter ein. "Das Treffen wurde von einem Mitarbeiter der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier begleitet", sagt Meier. Ein anderer Bistumsmitarbeiter habe ihm diese Möglichkeit vorgeschlagen.

Die erste Begegnung mit dem Täter habe im Wartezimmer der Beratungsstelle stattgefunden. "Ich war erst einmal völlig verunsichert", sagt das Opfer. Meier schildert weiter: "Dann führten wir das Gespräch, das trotz allem, was geschehen war, sehr respektvoll war."

Der Geistliche habe glaubhafte Reue gezeigt. "Sie tat mir gut und wirkte bei mir wie eine Katharsis, eine psychische Reinigung." Und sie habe das Unrecht bestätigt, das ihm widerfahren sei.

Die Frage, in welcher Form der Geistliche sich entschuldigen könne, habe im Raum gestanden. Das Missbrauchsopfer hat gedanklich alle Szenarien durchgespielt. Sein Fazit: Die einzige Form der Entschuldigung ist die ganz nüchterne, sachliche Form des Geldes.

"Wichtig war mir, dass er mir eine Summe zahlt, die ihm wehtut. Das zeigt nochmals in besonderer Weise, dass es ihm leidtut." Armin Meier betont, dass es ihm nicht um das Geld an sich gegangen sei.

Täter und Opfer haben eine Einigung erzielt: Der ehemalige Geistliche zahlt die angefallenen Therapiekosten und eine Entschädigung. "Es war die Hälfte seines Vermögens, ein ,Buß-Geld'", sagt Meier. Eine genaue Summe möchte er nicht nennen. Worte wie "Buß-Geld" und "Ent-Schädigung" hätten für ihn wieder eine neue Bedeutung gewonnen. Während eines zweiten Termins, der bei einem Rechtsanwalt stattfand, wurde das Ergebnis der außergerichtlichen Vereinbarung festgehalten.

Bis heute ist nach Auskunft von Ernst Mettlach, Pressesprecher des Bistums Trier, bekannt, dass sich 34 Kleriker und ein Laienmitarbeiter des Bistums Trier seit dem Jahr 1952 des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. "Es gab auf Wunsch einzelner Opfer Treffen mit Tätern. Hierbei war das Bistum vermittelnd tätig und hat die Gespräche durch erfahrene Mitarbeiter des Bistums Trier begleiten lassen", sagt Mettlach.

Für Armin Meier sind das Täter-Opfer-Gespräch und die Wiedergutmachung eine Basis für einen Neuanfang. "Ich fühle mich befreit!" Das ,Buß-Geld' wird er in die Gründung einer neuen Existenz stecken. "Ich habe die Entschuldigung angenommen." Extra Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (47) hat sich unter bestimmten Bedingungen für eine Zahlung an Opfer sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen ausgesprochen. Die Betroffenen müssten das Geld zunächst vom Täter erhalten. Erst dann trete die Institution ein, in der sie geschädigt wurden - beispielsweise das Bistum.