"Ich habe einen langen Atem"

Die Trierer SPD-Bundestagsabgeordnete Katarina Barley hat eine beachtliche politische Karriere hingelegt. Kaum in den Bundestag gewählt, bekleidet die 47-Jährige seit gestern eines der einflussreichsten Parteiämter. Mit der neuen SPD-Generalsekretärin sprach kurz nach ihrer Wahl TV-Redakteur Rolf Seydewitz.

Wie aufgeregt waren Sie vor der Wahl zur SPD-Generalsekretärin?Barley: Der Adrenalinspiegel war vor der Wahl schon ziemlich hoch. Aber jetzt freue ich mich vor allem auf mein neues Amt. Inwiefern sind Sie mit Ihrem Abschneiden zufrieden?Barley: Ich freue mich über den großen Vertrauensbeweis der Delegierten und der Partei. Natürlich ist das für mich ein Ansporn. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Ihre Amtszeit länger als die Ihrer Vorgängerin sein wird, die nicht einmal zwei Jahre im Amt war?Barley: Ich schätze die Arbeit von Yasmin Fahimi sehr. Meine Vorgängerin hat in den zwei Jahren wirklich gute Grundlagen gelegt, auf denen ich jetzt aufbauen kann. Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgängerin?Barley: Die Zeit ist eine andere als vor zwei Jahren, und meine Aufgabe ist anders als die meiner Vorgängerin: Ich werde den Wahlkampf organisieren. Aber natürlich sind wir auch unterschiedliche Typen.Die taz beschreibt Sie als kompetent, kämpferisch und kommunikativ. Nett, oder?Barley: Ich bin auf jeden Fall ein offener Mensch, der unvoreingenommen an neue Aufgaben geht. Darüber hinaus bringe ich einiges an Erfahrung mit, beruflich und politisch: Ich habe ja 20 Jahre SPD- und Kommunalpolitik gemacht, bin auch im Führungsgremium der Fraktion aktiv. Das ist eine gute Kombination. Wie ist es um Ihre kämpferischen Qualitäten bestellt?Barley: Ich bin in die Politik gegangen, um Dinge zu verändern. Und um Dinge zu verändern muss man kämpfen - zum Teil hart und lange. Das sieht man etwa daran, wie lange es gedauert hat, bis der Mindestlohn durchgesetzt war. Ich kann jedenfalls kämpfen und habe einen langen Atem.Was erwartet Parteichef Sigmar Gabriel von Ihnen?Barley: Sigmar Gabriel hat jemanden gesucht hat, der ihn gut ergänzt. Das trifft auf mich sicherlich zu. Was schätzen Sie an Gabriel, was mögen Sie weniger an ihm?Barley: Ich schätze an ihm, dass er einen sehr guten politischen Instinkt hat und dass er ein wirklich überzeugender Redner ist. Dann mag ich seinen Humor und die Art, wie wir aufeinander zugehen.Und was schätzen Sie weniger?Barley: Da fällt mir so schnell nichts ein.Das wird Ihrem Parteivorsitzenden gefallen …Barley: (lacht) Warum verbindet eigentlich kaum jemand die Erfolge der großen Koalition mit der SPD …Barley: Das stimmt nicht - und diese Feststellung wird auch durch Untersuchungen gestützt. Die Erfolge werden von den Bürgern gesehen, gewürdigt und auch der SPD zugeschrieben. Wir müssen weiter konsequent unseren Weg gehen. Wir haben zwei Jahre hervorragende Arbeit gemacht, zwei weitere Jahre liegen jetzt noch vor uns. Es wird jetzt auch meine Aufgabe sein, die Erfolge der SPD zu kommunizieren. Als Generalsekretärin sind Sie oberste Wahlkampfmanagerin der Partei: Wie wollen Sie die SPD zurück auf die Erfolgsspur bringen?Barley: Ich werde den Kontakt und die Kommunikation mit den Mitgliedern intensivieren. Die Mitglieder sind der größte Schatz der Partei. Wenn wir die Mitglieder wertschätzen und mitentscheiden lassen, werden wir eine große Mobilisierung hinbekommen. Außerdem müssen wir für Wähler interessanter werden, die uns bislang noch nicht so stark unterstützen, obwohl wir gute Politik für sie machen: junge Leute, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund. Im Bund und in Rheinland-Pfalz liegt die SPD über zehn Prozentpunkte hinter der CDU, in Baden-Württemberg und in Sachsen sind es sogar über 20 Prozentpunkte. Das klingt eher nach Überlebenskampf als nach Regierungspartei?Barley: Wir haben in der Vergangenheit schon so oft erlebt, dass man sich auf Meinungsumfragen nicht verlassen kann. Gerade in Zeiten wie diesen, wo sich Situationen und auch Stimmungslagen über Nacht ändern können, ist eine seriöse Vorhersage nicht möglich. In Rheinland-Pfalz haben wir eine tolle Bilanz und mit Malu Dreyer eine außerordentlich beliebte Ministerpräsidentin. Und wir haben mit Julia Klöckner eine Gegenkandidatin, die sich selbst disqualifiziert, indem sie am rechten Rand fischt und die AfD starkmacht. Das ist unverantwortlich. Ich bin optimistisch, dass Malu Dreyer Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz bleibt. Das Willy-Brandt-Haus gilt als Stolperfalle - besonders für rheinland-pfälzische SPD-Politiker. Wie groß ist Ihr Bammel vor der roten Parteizentrale?Barley: Ich freue mich drauf, ganz ehrlich. Das Willy-Brandt-Haus ist besser als sein Ruf. Da geisterten - wohl aus früheren Zeiten - ein paar Mythen herum. In allen meinen Gesprächen erlebe ich äußerst motivierte Mitarbeiter, die Lust auf den Wahlkampf 2017 haben. Ich glaube, das wird richtig gut. Wen wünschen Sie sich als Gegenkandidaten im Wahlkreis Trier, wo Bernhard Kaster für die CDU nicht mehr antreten will?Barley: (lacht) Ich habe mir schon ein paar Gedanken darüber gemacht, wer es werden könnte. Allerdings habe ich noch niemanden ausgemacht. Ich nehme es also, wie es kommt. seyExtra

Katarina Barley (47) sitzt erst seit 2013 im Bundestag. Zuvor war sie Referentin im rheinland-pfälzischen Justizministerium. Katarina Barley wurde in Köln geboren, studierte Rechtswissenschaften in Marburg und Paris und promovierte über "Kommunalwahlrecht für Unionsbürger". Auf ihren Doktortitel ist die in Schweich bei Trier lebende Mutter zweier Söhne stolz, "den muss man nicht verstecken", sagt sie, die Arbeit sei schließlich "ehrlich recherchiert und ganz alleine geschrieben". sey