Idee mit Zukunft

Das ausgediente Kinderbett wird im Netz versteigert, über den gleichen Weg beschafft man eine neue Kamera: Internet-Auktionen, bei denen Gegenstände ver- und gekauft werden, sind für viele Menschen kaum noch aus dem Alltag wegzudenken.

Die gleiche Erfolgsgeschichte dürfte auch den "Rückwärts-Auktionen" für Handwerks- und Dienstleistungen beschieden sein, die derzeit Tag für Tag neue Freunde gewinnen. Natürlich: Ausführliche Beratung, wie sie Betriebe vor Ort leisten, fällt bei den Online-Internet-Auktionen aus. Und auch darüber hinaus werden die Internet-Auftraggeber die eine oder andere sonst übliche Service-Leistung - etwa eine ausgiebige Säuberung - oft entbehren müssen. Wenn ein Kunde auf solche Extras verzichten möchte, um Geld zu sparen, ist das sein gutes Recht. Das Risiko hereinzufallen bleibt. Doch mit ein paar Sicherheitsvorkehrungen lässt es sich deutlich reduzieren. Besonders heikle Aufträge wie die Elektro-Installation werden wohl auch in Zukunft die meisten Bauherren einem alteingesessenen Handwerker ihres Vertrauens überlassen. Doch was spricht dagegen, weniger verfängliche Aufträge wie Heckenschneiden, Dachrinnen-Reinigung oder das Streichen des Kellers per Internet an den billigsten Anbieter zu vergeben? Befürchtungen aus dem Handwerk, wenn sich die Internet-Auktionen in großem Stil durchsetzten, drehe sich die Preisspirale nach unten, sind durchaus berechtigt. Nur: Wenn sich einzelne Betriebe aus der Not heraus einen ruinösen Wettbewerb liefern, ist das zwar tragisch, aber zunächst einmal ihr Problem - nicht das der Kunden. Schließlich wird niemand gezwungen, bei diesen Aktionen mitzubieten. Ganz nebenbei ist die Online-Auftragsvermittlung auch ein gutes Mittel gegen die gerade im Handwerk weit verbreitete Schwarzarbeit: Sie ist transparent - auch für das Finanzamt. Derzeit hält sich die Dimension der neuen Vergabepraxis noch in Grenzen: Marktführer www.myhammer.de gibt an, in den vergangenen sechs Monaten Aufträge im Wert von zehn Millionen Euro vermittelt zu haben. Zum Vergleich: Allein das Handwerk in der Region Trier verzeichnet laut Kammer-Angaben jedes Jahr einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Diese Zahlen dürften allerdings weniger in Richtung einer begrenzten Reichweite der Internet-Auktionen für Handwerksleistungen zu deuten sein. Sie zeigen vielmehr, welches Wachstumspotenzial in dieser Idee steckt. i.kreutz@volksfreund.de