Ihr Kinderlein, kommet…

BERLIN. Deutschland gehen die Kinder aus. Ministerin Renate Schmidt startet deshalb die Aktion "Lokale Bündnisse für Familien”: Bessere Rahmenbedingungen sollen für höhere Geburtenraten sorgen.

Die Gemeinde Laer liegt mitten im schönen Münsterland, nur 6500 Einwohner leben dort. In Laer rühmt man sich noch, den "ursprünglichen Charakter eines Dorfes” bewahrt zu haben. Die Gemeinde zeichnet jedoch etwas ganz Besonderes aus, etwas, was sogar Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) begeistert - Laer ist ein Vorbild für die Republik. Wie das? Kämen überall in Deutschland so viele Kinder zur Welt wie in Laer, wären die Probleme der Rentenkasse oder der Sozialversicherungen nicht ganz so gravierend. Im Jahr 2002 wurden dort durchschnittlich 13,5 Babys pro 1000 Einwohner geboren, im Bundesdurchschnitt waren es nur 8,5. "Niedrige Geburtenraten sind eben kein unveränderliches Schicksal”, sagt Renate Schmidt und blickt dabei wehmütig ins Münsterland. Denn die Gemeinde hat sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zum Ziel gesetzt, für Väter und Mütter: Also wird der Nachwuchs den ganzen Tag versorgt, in einer Ganztagsgrundschule und mehreren Tagesstätten. Eine Elterninitiative betreut zudem die Kinder ab vier Monaten - öffentlich gefördert, versteht sich. Als Sahnehäubchen oben drauf gibt es für junge Familien auch noch günstiges Bauland. Das kann sich sehen lassen. Und Laer soll bald überall sein. "Lokale Bündnisse für Familie” nennt Schmidt ihre 4,2 Millionen Euro teure Initiative, mit der sie und prominente Mitstreiter "den Trend zur Familie zu einem Trend zu mehr Kindern” erweitern wollen. Denn klar ist für die Ministerin - stimmen die Rahmenbedingungen, steigt auch die Geburtenrate. Wirtschaftsbosse wie Ludwig Georg Braun (DIHK) und Dieter Philipp (Handwerk) sind dabei; ebenso DGB-Chef Michael Sommer und die Oberbürgermeister von Köln, Leipzig, Nürnberg, Heidelberg, Fulda und Offenburg; hinzu kommen noch Vertreter sozialer Organisationen. Alle zusammen sitzen in einem neuen Kuratorium, welches sich die Aktion vor Ort zu Eigen gemacht hat. Schmidt hofft, dass in einem ersten Schritt 100 Bündnisse entstehen, in denen dann ganz konkret über Familienfreundlichkeit, über Bedürfnisse von Eltern und Kindern sowie Unternehmen in den Städten und Gemeinden diskutiert wird. Das Ministerium hat inzwischen ein Servicebüro eingerichtet, um Interessenten Starthilfe beim Aufbau eines Bündnisses zu geben (Telefon: 0180/5252212). So weit die Theorie. In der Praxis hofft Schmidt, könnten die lokalen Bündnisse aus Kommune, Unternehmen, Verbände und Eltern einiges bewegen und auf die Agenda setzen: Flexiblere Kinderbetreuungszeiten abgestimmt auf die Arbeitszeiten von ortsansässigen Firmen beispielsweise, oder die Übernahme von Patenschaften für Spielplätze und Jugendeinrichtungen. Sie könnten Einfluss nehmen auf Gebührengestaltung und Lehrmittelfreiheit, auf Einkaufs- und Freizeitangebote in einer Stadt oder auf die Qualität der Betreuung in Schulen und Kindergärten. Es gäbe sogar Beispiele, so die Ministerin, dass dank einer Initiative Eltern abends noch Kantinenessen für die Kinder mit nach Hause nehmen dürften. Familienfreundlichkeit bringe Gewinn - auch Wirtschaft und Kommunen profitieren davon materiell, wie Studien belegen. Die Gemeinde Laer hat's vorgemacht.