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Illegales Kopieren von Musik-Noten: Chören in der Region droht Ärger

 Eine Sängerin. Ob die Noten illegal kopiert sind oder nicht, merkt der Zuhörer nicht. Die Chöre könnten dies demnächst aber deutlich zu spüren bekommen. (Symbolbild)
Eine Sängerin. Ob die Noten illegal kopiert sind oder nicht, merkt der Zuhörer nicht. Die Chöre könnten dies demnächst aber deutlich zu spüren bekommen. (Symbolbild) FOTO: Jose Girarte, iStock
Trier/Daun/Wittlich. Weil ihnen das Geld fehlt, scheinen Gesangsvereine und Kirchenchöre es mit dem Gesetz nicht ganz so genau zu nehmen: Statt Noten zu kaufen, werden diese in großem Maßstab kopiert. Das Bistum Trier will seine Schäfchen nun mit Hilfe einer Sonderpublikation auf den rechten Weg bringen. Katharina Hammermann

Nicht nur, wer CDs oder Filme vervielfältigt, bricht das Gesetz. Auch das Kopieren von Noten ist illegal. Dennoch scheint es in katholischen Kirchenchören ebenso gang und gäbe zu sein wie in weltlichen Gesangsvereinen.
Einer repräsentativen Umfrage der Verwertungsgesellschaft (VG) Musikedition zufolge werden von den Kirchenchören pro Jahr mindestens 700.000 Kopien von urheberrechtlich geschützten Chorwerken illegal hergestellt. An der Umfrage hatten sich deutschlandweit 872 katholische Gemeinden beteiligt, darunter 45 aus dem Bistum Trier.

Die Raubkopien verursachen Autoren und Verlagen laut VG Musikedition einen jährlichen Schaden in Millionenhöhe. Insider wie der ehemalige Regionalkantor des Bistums, Joachim Reidenbach, bestätigen, dass es auch in der Region Trier eine weitverbreitete Praxis ist, Notenblätter zu vervielfältigen. "Das Budget vieler Kirchenchöre ist sehr klein", sagt er. Obwohl Reidenbach Verständnis für Chorleiter hat, "die mit dem Rücken an der Wand stehen", ärgert ihn die Kopiererei. Schließlich ist er seit einigen Jahren auch Komponist - und damit Geschädigter.

Neben Geldknappheit dürfte Unwissenheit eine Rolle spielen. Dafür spricht, dass so viele der befragten Pfarreien freimütig Auskunft zur Zahl der (illegal) gefertigten Kopien gegeben haben. Krauß geht daher davon aus, dass der wirkliche Schaden noch deutlich größer ist.

Die VG Musikedition will auch rechtliche Schritte gegen die Pfarreien nicht ausschließen. Wichtiger ist ihr allerdings, dass diese sich künftig ans Gesetz halten. Daher dürfte es Krauß freuen, dass das Bistum Trier, wo es 774 Kirchen-, 86 Jugend- und 220 Kinderchöre gibt, nun eine Veröffentlichung zum Thema plant: In einer Beilage zur Publikation "Kirchenmusik im Bistum Trier" wird das Thema demnächst umfassend behandelt.

Die Situation in vielen "weltlichen Chören" ist allerdings ganz ähnlich: Die Kosten sind hoch, die Einnahmen gering und die Mitglieder werden immer weniger. "Wir müssen für die Anschaffung von Noten eine Regelung finden, die die Chöre nicht überfordert", sagt Heribert Kappes, Vorsitzender des Kreischorverbands Bernkastel-Wittlich. Er sieht die Politik in der Pflicht, die gesetzlichen Regelungen zu überarbeiten.