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Im Einsatz gegen Raser auf zwei Rädern

Im Einsatz gegen Raser auf zwei Rädern

Reaktion auf die steigende Zahl an Motorradunfällen: Bei Bitburg haben gestern die deutsche, die luxemburgische und die belgische Polizei gezielt Motorradfahrer kontrolliert. Die Idee: vorbeugen statt bestrafen.

Bitburg/Hisel. Blitz! Aus dem Radarwagen der Polizei hat es den 51-jährigen Motorradfahrer auf seinem Chopper am Freitagmorgen erwischt. 70 Kilometer in der Stunde sind auf der B 50 am Hohnersberg zwischen Hisel und Brimingen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) erlaubt. Der Biker ist als Zweiter in einem kleinen Konvoi aus vier Motorrädern von Bitburg in Richtung Luxemburg mit 89 Stundenkilometern unterwegs. Einige Hundert Meter weiter blinkt auf einer Kuppe ein gelbes Warnlicht neben einem Warnschild mit der Aufschrift "Polizeikontrolle". Oberkommissar Rudi Wenzel schwingt in seiner neongelben Warnjacke die Anhaltekelle und lotst die ganze Motorradgruppe über die Abbiegespur zu seinen Kollegen.
20 Polizisten haben hier Stellung bezogen, davon vier Luxemburger und drei Belgier. Eine grenzübergreifende Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Krafträder, wie Polizeihauptkommissar Bernd Weber aus Bitburg erklärt.
19 Stundenkilometer zu schnell - eigentlich würde den Biker nun ein Verwarnungsgeld erwarten. Das ist aber nicht das, worauf es die Polizei an diesem Brückentag abgesehen hat. "Wir wollen nicht nur repressiv tätig werden, sondern präventiv", sagt Hauptkommissar Weber, dessen Idee das internationale Konzept war - ein Versuch den steigenden Unfallzahlen mit beteiligten Motorradfahrern in der Region zu begegnen. Die, die nur geringfügig zu schnell unterwegs sind, bekommen ein besonderes Angebot: Sie sollen an einem Simulator mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf eine plötzliche Gefahrensituation reagieren: Ein Kind läuft auf die Straße, der Fahrer muss bremsen - das Fahrzeug kommt auf dem Bildschirm gerade so zum Stillstand. Dann der zweite Versuch mit 19 Stundenkilometern schneller. Wie das Experiment ausgeht, kann sich jeder denken: Diesmal kommen Kind und Fahrer nicht unverletzt davon. Der 51-Jährige ist überrascht und zeigt sich einsichtig. Diesmal bleibt es bei einer mündlichen Verwarnung, zahlen muss der Motorradfahrer nicht, er bekommt stattdessen sogar noch Info-Material und eine Karte mit Motorradrouten. "Die echten Raser, die jenseits des Verwarnungsgeldes liegen, kommen natürlich nicht ohne Bußgeld und Punkte weg", erklärt Weber.
Zielgruppe: Fahrer Ü 40


Zielgruppe der Kontroll- und Präventionsaktion sind vor allem ältere Motorradfahrer. Denn gerade bei den Bikern über 40 verzeichnet die Polizei die meisten Unfälle. "Im höheren Alter haben diese Menschen Geld und gönnen sich eine schwere Maschine", erklärt Bernd Weber. "Die meisten haben keine Fahrpraxis - konkreter gesagt: Sie können es nicht, das Motorradfahren." Dass dann mehr Unfälle mit älteren Menschen zu verzeichnen sind, sei doch kein Wunder.
Nach zwei Stunden Kontrolle ist dann Schluss auf deutscher Seite, und die Polizisten fahren über die Grenze nach Luxemburg, um dort weiter auf Raserjagd zu gehen. Das Ergebnis am Freitagnachmittag: Auf deutscher Seite haben von 80 kontrollierten Motorradfahrern 55 die Radarfalle passiert, fünf davon - also knapp zehn Prozent- zu schnell. Dazu weisen zwei Motorräder technische Mängel auf. Bei der Kontrolle in Luxemburg sind es 25 kontrollierte Fahrer, sieben technische Mängel - Geschwindigkeitsverstöße gibt es hier nicht - "wohl wegen des Regens", wie Weber sagt. Und der unrühmliche Abschluss des Motorradsicherheitstags: Im Bereich Karlshausen im Eifelkreis gibt es gleich zwei schwere Unfälle - mit Motorrädern.