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Im Fall Limburg entscheidet der Papst auch über seinen eigenen Ruf

Im Fall Limburg entscheidet der Papst auch über seinen eigenen Ruf

Machtpoker in Rom: Papst Franziskus muss genau abwägen, wie er mit dem deutschen Problembischof Tebartz-van Elst umgeht. Seine Entscheidung ist richtungsweisend für die Kirche und seine eigene Glaubwürdigkeit.

Rom/Limburg. Es scheint einsam geworden zu sein um Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. In Rom muss er versuchen, die Vorwürfe um die Kostenexplosion an seinem Bischofssitz zu entkräfte. Und auch in den Reihen der Bischöfe stärken ihm nur wenige Amtsbrüder öffentlich den Rücken. Warten sie auf das Machtwort des Papstes? Oder ist ihnen bewusst, dass es eigentlich um viel mehr geht als um einen Bischof und seine Buchhaltung?
Denn nicht nur für Tebartz-van Elst steht in den kommenden Tagen viel auf dem Spiel. Papst Franziskus muss abwägen. Seine Entscheidung sei richtungsweisend, meint der Theologe und Kirchenkenner Wolfgang Beinert aus Bayern.
Aus seiner Sicht steht zur Debatte, ob der von Franziskus propagierte Kurs einer dienenden und armen Kirche Gestalt annimmt oder nicht. "Bisher hat er seinen Kurs nur verkündet, jetzt muss er Farbe bekennen und handeln", sagt Beinert, ein Weggefährte Joseph Ratzingers, des früheren Papstes Benedikt XVI.
Eine Entscheidung für oder gegen den Limburger Sorgen-Bischof hat deshalb nicht nur Folgen für Tebartz-van Elst, sondern auch für das Oberhaupt der Weltkirche. "Bleibt er seinen Worten treu, ist nicht zu sehen, wie der Limburger Bischof zu halten ist, ohne dass die päpstliche Autorität und das Ansehen des Papstes jedenfalls in Deutschland schweren Schaden erleiden", sagt Beinert.
Schwächung der Konservativen


Der Münchner Jesuit, Publizist und Kirchenkenner Wolfgang Seibel sieht das ähnlich: "Wenn der Papst in diesem Fall entscheidet, dann hat er auch Stellung bezogen." Auch Seibel fällt es schwer, sich den Limburger Bischof weiter im Amt vorzustellen: "So wie der Papst sich bislang geäußert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass er ihn halten wird." Ein Amtsverzicht Tebartz-van Elsts allerdings würde das konservative Lager um den Kölner Kardinal Joachim Meisner und Gerhard Ludwig Müller, den Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation, schwächen.
Beide geben dem angeschlagenen Tebartz-van Elst trotz scharfem öffentlichen Gegenwind nach wie vor Rückendeckung und sprechen von einer Kampagne gegen den Amtsbruder. "Meisner und Müller sehen Tebartz-van Elst als jemanden, der das Konservative in der Kirche hochhält", erklärt Kirchenrechtler Thomas Schüller.
Erst am vergangenen Samstag hatte Müller in einer Predigt Front gegen eine "Medienkampagne" gemacht, die gegen den Limburger Bischof im Gange sei. Unklar ist zwar bislang sein Einfluss auf den Papst. Als der Vatikan den Kurienkardinal Giovanni Lajolo zu einem "brüderlichen Besuch" nach Limburg schickte, sah der Bischof dies als Rückenstärkung. Es ist schwer auszumachen, wie der Machtkampf um die Werte im Vatikan entschieden wird. Auch die deutschen Bischöfe sind verunsichert. Während sich Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz offen von Tebartz-van Elst distanziert, hüllen sich fast alle anderen Bischöfe in Schweigen. "Sie halten sich mit Blick auf den Papst in Deckung", schätzt Jesuit Seibel.
Ein weiterer Grund könnte Tebartz-van Elst selbst sein, gibt Kirchenrechtler Schüller zu bedenken: "In den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Bischof in der Bischofskonferenz auf sich allein gestellt ist", sagt der ehemalige persönliche Referent des früheren Limburger Bischof Franz Kamphaus.