Im Gespräch

Das war die Woche des Gerhard Schröder. Zweifellos! Der Ex-Kanzler war präsent auf allen Fernseh- und Hörfunk-Kanälen, seine Memoiren beherrschten bundesweit die Schlagzeilen von Zeitungen und Magazinen.

Viel Lärm um nichts? Nein, das kann man nicht sagen. Aber viel Lärm um wenig Neues - das schon. Und so wird die öffentliche Aufregung wohl auch schon in wenigen Tagen wieder verpufft sein. Sieben Bundeskanzler hatte die Bundesrepublik Deutschland in der Vergangenheit. Nur einer von ihnen - Ludwig Erhard (1963 - 1966 im Amt) - schrieb keine Memoiren. Als Vater des Wirtschaftswunders ist er gleichwohl nach wie vor eine Legende. Konrad Adenauer (1949 - 1963) und Kurt Georg Kiesinger (1966 - 1969) starben bereits vor Vollendung ihrer Erinnerungen. Willy Brandt (1969 - 1974) ließ sich mit der Veröffentlichung bis 1989 Zeit. Helmut Schmidts (1974 - 1982) Erinnerungen waren keine Memoiren im klassischen Sinne, sondern beleuchteten Ausschnitte und Persönlichkeiten aus seiner Kanzler-Zeit. Helmut Kohls (1982 - 1998) Erinnerungsbeitrag zu seinem Bild in der Geschichte ist inzwischen auf über 2000 Seiten angewachsen und wohl noch nicht abgeschlossen. Und das - so kann vermutet werden - gilt wohl auch für die Erinnerungen Gerhard Schröders (1989 - 2005). Eines lässt sich im Rückblick auf diese Kanzler-Rückblicke feststellen: Sie waren allesamt weniger spannend zu lesen, als das, was Journalisten und Historiker später über sie und ihre Amtszeit geschrieben haben. Ein schönes Wochenende Ihr Walter W. Weber Chefredakteur