Im Gespräch

Jedes Jahr veröffentlicht die Menschenrechts-Organisation "Reporter ohne Grenzen" eine Pressefreiheits-Rangliste. Daran lassen sich Entwicklungen ablesen. Für die aktuelle Liste wurde die Lage in 166 Ländern ausgewertet und verglichen.

Mit dem Ergebnis, dass sich Deutschland gegenüber dem Vorjahr erneut verschlechtert hat - von Rang 18 auf 23. Warum wohl? Hierzulande sind Journalisten von einem Geheimdienst, dem BND, jahrelang bespitzelt worden. Bei uns lassen Staatsanwälte immer öfter Redaktionen durchsuchen. In Deutschland hat man zwar inzwischen auch - einer Vorgabe der Europäischen Union folgend - ein Informationsfreiheitsgesetz verabschiedet. Aber der Zugang zu Informationen wird Journalisten nach wie vor durch Behörden erschwert. Hinzu kommt das Gefühl, dass den Medien und damit der Öffentlichkeit gegenüber in zunehmendem Maße Desinformation betrieben wird. Nehmen wir nur ein naheliegendes Beispiel aus der jüngsten Zeit, den Beinahe-Zusammenstoß eines Militärjets mit einer voll besetzten Passagiermaschine, die sich im Landeanflug auf den Flughafen Hahn befand. Abwiegelnd behauptete das Luftwaffenamt der Bundeswehr danach, zwischen dem Tornado und der Boeing 737 hätte ein ungefährlicher Abstand von 750 Metern bestanden. Die deutsche Flugsicherung dagegen korrigierte diese Angabe: Es seien in Wirklichkeit nur 370 Meter gewesen, also eine gefährliche Situation. Verschleierung und Desinformation aber sind mehr als nur Kratzer am Kern der Pressefreiheit. Sie sind bereits massive Beschädigungen derselben. Bis zum nächsten Mal Ihr Walter W. Weber Chefredakteur

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