Im Gespräch

Über Sinn und Unsinn von Rankings (neudeutsch für Ranglisten) lässt sich trefflich streiten. Da wird die Qualität von Universitäten bis in die einzelnen Fachbereiche hinein gelistet. Oder die Kompetenz von Fachärzten zwischen Ostfriesland und Niederbayern.

Es gibt Hitlisten der familienfreundlichsten Städte und der mittelstandsfreundlichsten Kreise. Nicht zu vergessen die Politiker-Hitparaden in Sachen Beliebtheit oder Fleiß oder Kompetenz. Und so weiter. Doch den Vogel abgeschossen hat in dieser Woche eine Zeitschrift, die sich selbst als Magazin für politische Kultur versteht, indem sie doch tatsächlich die 500 wichtigsten Intellektuellen dieses Landes in das Bewertungsschema eines Rankings zu pressen versuchte. Absonderliches kam dabei heraus. So werden die Plätze eins bis drei von Günter Grass, Harald Schmidt und Marcel Reich-Ranicki belegt. Der Papst (Joseph Ratzinger) muss sich mit Rang 14 begnügen und hinter Alice Schwarzer (neunte) und Elke Heidenreich (zwölfte) einreihen lassen. Für hervorragende Historiker wie Joachim Fest und Arnulf Baring bleiben immerhin noch die Plätze 57 und 58. Dafür wimmelt es förmlich von Journalisten. 112 Berufskollegen (so genannte Publizisten nicht mitgezählt) - so erfahre ich - gehören zu den 500 wichtigsten Intellektuellen Deutschlands. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, viele Namen davon habe ich noch nie gehört oder gelesen, obwohl ich nach 39 Berufsjahren die Branche eigentlich ganz gut zu kennen glaubte. So werde ich also dieses Ranking als Steilvorlage zu kabarettistischer Erheiterung betrachten. Und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, möchte ich das auch gerne empfehlen. Ein schönes Wochenende Ihr Walter W. Weber Chefredakteur

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