Im Gespräch

Am 30. September des vorigen Jahres veröffentlichte die dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten" Karikaturen des Propheten Mohammed. Jetzt, vier Monate später, hat das einen Proteststurm unter den Muslimen vieler Länder ausgelöst.

Zahlreiche Zeitungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben diese Karikaturen in diesen Tagen nachgedruckt, was selbstverständlich völlig legitim ist. Der Trierische Volksfreund hat es nicht getan. Warum? Um es vorweg und unmissverständlich zu sagen: Der Hass, mit dem besonders in der islamischen Welt vielfach auf diesen Vorgang reagiert wurde, ist absolut unakzeptabel. Und Medien in Demokratien sollten sich davon nicht beeindrucken und schon gar nicht einschüchtern lassen. Insofern hat unsere Entscheidung auch einen ganz anderen Grund. Die Redaktionskonferenz des Trierischen Volksfreunds hat bereits vor Jahren nach langen und sehr intensiven Diskussionen grundsätzlich entschieden, Karikaturen mit religiösen Bezügen nicht zu veröffentlichen, wenn damit die religiösen Gefühle von Lesern dieser Zeitung - gleich welcher Konfession: ob Christen, Muslime, Juden, Buddhisten oder Hinduisten - verletzt werden könnten. Denn dies wäre für uns eine Grenzüberschreitung, die mit unserem journalistischen Selbstverständnis kollidieren würde. Wir bleiben also auch in diesem Fall konsequent bei dieser Linie. Nicht in diese Kategorie fallen würde allerdings zum Beispiel die sartirische Darstellung verstorbener Bundeskanzler als Engel, die - auf einer Wolke schwebend - sorgenvoll auf das politische Berlin herabblicken. Und auf einem ganz anderen Blatt steht selbstverständlich die kritische Auseinandersetzung mit der Institution Kirche in Leitartikeln. Das müssen in Demokratien mit Pressefreiheit auch Kirchen aushalten. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Ihr Walter W. Weber Chefredakteur