Im Gespräch

Sie alle haben sicherlich den Fall Florian Gerster mitverfolgt. Vielleicht haben Sie auch seinen Auftritt bei Sabine Christiansen am vergangenen Sonntag erlebt, nur wenige Stunden nach seinem Sturz als Chef der Bundesagentur für Arbeit. Mir hat dieser Auftritt jedenfalls imponiert. Denn diese Sendung sagte sehr viel über das eigentliche Bild des Menschen Florian Gerster aus: Da saß kein verbitterter Politiker, der begierig die Chance zur Abrechnung nutzen wollte. Da präsentierte sich vielmehr ein Mann von kühler Sachlichkeit - kompetent, frei von ideologischer Verbohrtheit, unabhängig von politischen Seilschaften, kein kerniger Sprücheklopfer und Händeschüttler, ein Macher, ein Profi eben, der auch eigene Fehler offen einräumte. Das hat in der Vergangenheit nicht nur Politikern und Funktionären aller Couleur missfallen, sondern auch etlichen Journalisten, die sich von erstgenannten entweder offenbar instrumentalisieren ließen oder im Mainstream bereitwillig mitschwammen. Deshalb - nicht wegen formaler Fehler - musste er letztlich gehen. Ich erinnere mich an die zwei letzten Begegnungen mit Florian Gerster. Im Januar 2002 war er - noch als Mainzer Sozialminister - Gast in unserer Redaktionskonferenz. Und für 8. November des gleichen Jahres - da arbeitete er schon in Nürnberg - hatte ich ihn nach Berlin eingeladen zu einem Gespräch mit einigen Kollegen. In Erinnerung geblieben ist er mir als Realist und Pragmatiker. Nur wird er auch diesmal die Früchte seiner Arbeit nicht selbst ernten können. Ein schönes Wochenende Ihr Walter W. Weber Chefredakteur

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