Im Gespräch

Dass der Bundesnachrichtendienst (BND) in großem Stil Journalisten bis in ihr Privatleben hinein bespitzelt hat, ist ein Skandal. Das erinnert in der Tat an Stasi-Methoden. In einer Demokratie ist ein solcher Anschlag auf die Pressefreiheit auch ein Anschlag auf die Verfassung. Die Sache muss rigoros aufgeklärt und die Schuldigen müssen hart zur Rechenschaft gezogen werden. Für mich, der ich jetzt 39 Jahre in diesem Beruf tätig bin, ist jedoch ein noch größerer Skandal, was gleichzeitig bekannt wurde: dass Journalisten sich bereitwillig dem BND als Spitzel zur Verfügung stellten, um Berufskollegen auszuforschen, und dafür auch noch Geld kassierten (in einem Fall 600 000 Mark). Ich muss gestehen, dass ich darüber entsetzt und wütend bin. Gleichzeitig jedoch führt uns das wieder einmal drastisch vor Augen, dass es in jedem Beruf (leider ausnahmslos) "schwarze Schafe" gibt. Und die Lehre, die wir Medienmacher einmal mehr ganz aktuell daraus ziehen müssen, ist: Wir sollten uns dringend vor dem Anschein von Verallgemeinerungen hüten, wenn wir über das Fehlverhalten von Vertretern anderer Berufsgruppen berichten.Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

IhrWalter W. Weber

Chefredakteur

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