Im Stil der neuen Zeit

Eines muss man der rot-grünen Koalition lassen: In der Rechts- und Gesellschaftspolitik hat sie durchaus Erfolge vorzuweisen. Ein neues Staatsbürgerschaftsrecht löste das kaiserliche Abstammungsrecht ab, das Asylrecht wurde und das Zuwanderungsrecht wird (jetzt endlich) modernisiert.

Auch das Partnerschaftsrecht ist dem Stil der neuen Zeit angepasst worden. Jetzt soll es weiter verbessert werden - und sogar eine Stiefkind-Adoption enthalten. Nun machen konservative Geister noch immer ein Zitronengesicht, wenn sie den Ausdruck "Homo-Ehe” hören. Das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Jahrhunderte währende Diskriminierung homosexueller Menschen einer erstaunlichen Toleranz gewichen ist. Fraglos auch ein Verdienst bekennender "Homos” wie Volker Beck (Die Grünen) und Klaus Wowereit (SPD). Union und Liberale, in deren Reihen sich ebenfalls prominente "Schwule” tummeln, ziehen vorsichtig nach - aber sie tun sich schwerer als die moralisch flexibleren Genossen. Christliche Politiker sehen nicht grundlos das verfassungsgeschützte Institut der Ehe in Gefahr, wenn das rot-grüne Ideal der völligen Gleichberechtigung Wirklichkeit würde. Es ist noch zu früh, um die heikle Adoptionsfrage abschließend zu beurteilen. Wer weiß schon, was tatsächlich dem Wohl des Kindes dient? Zwei Väter, zwei Mütter? Die eifrigen Reformer sollten der Gesellschaft mehr Zeit geben. Und die Akzeptanz reifen lassen. nachrichten.red@volksfreund.de