Im Ungefähren

Es ist fast schon beängstigend: Wo immer der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer derzeit auftritt, wird er von der Bauernschaft gefeiert. Das sagt etwas über den Leidensdruck und die Hoffnungen zumindest eines großen Teils der landwirtschaftlichen Branche aus.

Die Kehrtwende hin zu Klasse statt Masse ist allerdings der unbestreitbare Erfolg seiner Vorgängerin Renate Künast. Ebenso, dass der Verbraucherschutz erheblich an Stellenwert gewonnen hat. Das sollte man nicht klein reden, und davon hat die Bauernschaft auch profitiert. Horst Seehofers Verdienste beschränken sich hingegen bisher darauf, anders zu sein und anders zu reden als es Künast getan hat. Das muss nicht unbedingt das Schlechteste sein, auf Dauer wird diese Marschroute des Ungefähren aber nicht reichen. Seehofer muss stärker als bisher Farbe bekennen. Klar doch, der Agrarbereich ist voller Fallstricke, in denen sich ein Minister schnell verfangen kann. Gerade, wenn die Interessen von Bauern und Konsumenten unter einen Hut gebracht werden müssen. Im Bereich der Gentechnik hat Seehofer dies bereits zu spüren bekommen. Und auch beim Ökolandbau schlägt er nach seinen ersten Attacken nun moderatere Töne an, um städtische Wähler nicht weiter zu verprellen. Entscheidend wird jetzt sein, wie der CSU-Mann das Spardiktat seines Finanzministers erfüllen will. Und vielleicht wird der Jubel bei den Landwirten dann von Ernüchterung abgelöst werden. nachrichten.red@volksfreund.de