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Im Westen jede Menge Neues: 17.000 Besucher in 50 Tagen

Im Westen jede Menge Neues: 17.000 Besucher in 50 Tagen

Ursprünglich war es eine Notlösung: Weil das Theater brandschutzsaniert wurde, suchte man ein Ausweichquartier - und fand die alte Bobinet-Fabrikhalle in Trier-West. Daraus entstand eine Erfolgsstory ohnegleichen.

Trier. Da kam einiges zusammen: ein Theater in schwieriger Situation. Eine Entwicklungsgesellschaft, die ein altes Industrie-Areal in ein neues Wohn- und Geschäftsviertel verwandeln will. Ein Ensemble, das beweisen will, wie wichtig es für die Stadt ist. Ein Stück, das aktueller ist, als man glaubt. Und nicht zuletzt eine Fabrikhalle, die durch ihren rohen, staubigen Charme und das geschickte Bühnenbild von Dirk Immich zur Hauptdarstellerin wird.
Triers Tanztheaterchef Sven Grützmacher gelang mit seiner Regie das Kunststück, die Geschichte auf heutige Verhältnisse zu übertragen, dennoch dem Original gerecht zu werden und bei alledem das Publikum mitzunehmen. So entstand eine mitreißende Inszenierung, getragen von Künstlern aus allen Sparten des Hauses, die gleichzeitig als Sänger, Tänzer und Schauspieler agierten.
Da konnte nicht einmal ein ziemlich verunglückter Vorverkauf Schaden anrichten: Schon auf die Vorabberichte hin setzte ein ordentlicher Run auf die Tickets ein. Kaum war die Premiere vorbei, meldete eine Vorstellung nach der anderen das "Ausverkauft" an, so dass Zusatzaufführungen anberaumt werden mussten, die nicht minder schnell ausverkauft waren.
Unterm Strich gab\'s nur Gewinner: Das Theater punktete im richtigen Moment und nutzte die Riesenkulisse von 17 000 Besuchern, um auf seine Nöte mit den städtischen Sparvorgaben hinzuweisen. Das Ensemble um die Hauptakteure Joana Caspar, Sabine Brandauer und Carsten Lepper holte sich Abend für Abend Standing Ovations ab - und der Projektentwickler EGP, der die Produktion mit 60 000 Euro gesponsert hatte, sah sein neues Stadtviertel im Trierer Westen plötzlich im Licht des öffentlichen Interesses.