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Im Zweifel für den Wahlsieger

Im Zweifel für den Wahlsieger

BERLIN. Der heftige Führungsstreit bei den Liberalen ist beigelegt. Und der eindeutige Sieger heißt Guido Westerwelle. Er setzte sich gegen Wolfgang Gerhardt durch.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wird nach einer "vernünftigen Übergangsfrist" im Frühjahr 2006 auch den Vorsitz der 61-köpfigen Bundestagsfraktion übernehmen. Diese Regelung hat gestern Abend das FDP-Präsidium abgesegnet. Der Parteichef der FDP, Guido Westerwelle (43), und der Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gerhardt (61), hatten sich zuvor zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen, um den Konflikt zügig zu bereinigen. Zentrales Gesprächsthema: Westerwelles Wunsch, künftig beide Spitzenämter in seiner Hand zu vereinigen. Vor der Bundestagswahl war nämlich abgesprochen worden, dass Gerhardt nach einem Wahlsieg neuer Außenminister in einer schwarz-gelben Koalition wird, im Gegenzug Westerwelle dann neuer Gesamtführer der Partei. Es ist jedoch völlig offen, ob es zu einer Regierung unter Beteiligung der FDP kommen wird und damit die "Option Außenminister" noch gezogen werden könnte. Ungeachtet davon pochte Westerwelle bereits unmittelbar nach dem erfolgreichen Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl auf den zweiten Teil der Absprache. Woraufhin bundesweit eine heftige innerparteiliche Debatte einsetzte, begleitet von scharfen Unmutsäußerungen.Geht Gerhardt zur Friedrich-Naumann-Stiftung?

Der Riss ging quer durch die Partei. Die einen sprachen sich entschieden für ein Verbleiben Gerhardts auf dem Stuhl des Fraktionschefs aus. Die anderen forderten, dass Westerwelle beide Ämter übernehmen sollte. Er sei der überragende Wahlsieger. Die FDP schaffte am Sonntag 9,8 Prozent. Zunächst hatte es gestern geheißen, Westerwelle werde in Absprache mit der Union dafür sorgen, dass Gerhardt als Entschädigung für die Aufgabe seines Fraktionsjobs mit dem Amt eines Bundestagsvizepräsidenten bedacht werde. Dies wiederum ließ Gerhardt entschieden dementieren, das sei nicht sein Ziel und Wunsch. Später verlautete dann aus verschiedenen Quellen, die beiden Spitzenliberalen hätten sich auf folgende Lösung verständigt: Am kommenden Dienstag auf der konstituierenden Sitzung der neuen Fraktion wird Gerhardt erneut zum FDP-Fraktionschef gewählt. Er bleibt in diesem Amt bis Frühjahr/Sommer 2006. So können Westerwelle und Gerhardt noch gemeinsam die wichtigen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt am 26. März "im Tandem" bestreiten. In allen drei Ländern sitzen die Liberalen mit am Kabinettstisch: in Mainz als Partner der SPD, in Stuttgart und in Magdeburg zusammen mit der CDU. Gerhardt gilt vor allem für ältere liberale Wähler als Wahlzugpferd. Nach "angemessenem Abstand" zu diesen Wahlen soll Gerhardt dann als Fraktionschef abtreten und Westerwelle ihm nachfolgen. Gerhardt könnte dann zum neuen Vorsitzenden der attraktiven FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung gewählt werden. Otto Graf Lambsdorff, der diesen Posten bislang inne hat, hatte durchblicken lassen, er werde sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen.