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Immer mehr Single-Haushalte: Druck auf Wohnungsmarkt steigt

Trier. Statistiker beobachten einen folgenschweren Trend: Die Zahl alleinlebender Menschen steigt. Trotz sinkender Geburtenraten wird der Wohnraumbedarf daher steigen. Und wer kümmert sich um die alleinstehenden Alten? Katharina Hammermann

Trier. Vater, Mutter, Kind - von wegen! Die klassische Familie scheint in Deutschland ein Auslaufmodell zu sein. Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge werden im Jahr 2030 mehr als 80 Prozent der Haushalte nur noch aus ein oder zwei Personen bestehen. Und das hat zur Folge, dass die Gesamtzahl der Haushalte und der Bedarf an Wohnraum trotz des erwarteten Bevölkerungsrückgangs absehbar noch steigen werden - was sich in begehrten Wohnlagen auch auf die Mietpreise auswirken dürfte.
Auch in Rheinland-Pfalz ist dieser Trend deutlich erkennbar. Im Jahr 2000 hatten 33,6 Prozent der Haushalte nur einen Bewohner. Zehn Jahre später waren es 36 Prozent. Wegen seiner vielen ländlichen Regionen liegt das Land damit etwas unter dem Bundesschnitt. Trier hingegen nimmt in mehrfacher Hinsicht Spitzenpositionen ein: Dem Rathaus zufolge zählte die 105 000-Einwohner-Stadt 2011 satte 49 265 Ein-Personen-Haushalte. Bei insgesamt 72 369 Haushalten entspricht das einem Anteil von 68 Prozent. Damit lässt Trier selbst Berlin, das als Hauptstadt der einsamen Herzen gilt, weit hinter sich: Dort liegt der Anteil "nur" bei 54 Prozent. Wie stark diese "Versingelung" den Druck auf den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt erhöht, kann niemand sagen. Fest steht: "Bei Neuvermietungen gibt es extreme Preissteigerungen", sagt Hermann Traut vom Mieterverein Trier. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hatte 2011 festgestellt: Nirgendwo anders in Deutschland sind die Mieten seit 2005 so stark gestiegen wie hier - nämlich um mehr als 21 Prozent.
Für weitaus besorgniserregender hält der Mainzer Soziologe Stefan Hradil die Probleme durch die wachsende Zahl älterer Alleinstehender. Der Autor des Buches "Die ,Single-Gesellschaft\'" sagt im Interview mit dem Volksfreund: "Wenn sie alle institutionell gepflegt werden müssten, dann wäre das nicht finanzierbar." Gegensteuern müssten da vor allem die Betroffenen selbst - indem sie sich auf die Suche nach neuen Wohnformen begeben oder auch auf jene nach einem neuen Partner.