1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Immer wieder stürzen Gesteinsbrocken in die Tiefe

Immer wieder stürzen Gesteinsbrocken in die Tiefe

Die Kulisse eines Katastrophenfilms hat sich Philipp Becker am 18. Februar 2005 auf seinem Grundstück geboten. Rund 150 Kubikmeter Sandsteinfelsen hatten sich damals in Trier-Pallien gelöst und Teile des Gartens unter sich begraben.

Trier. Wenn Philipp Becker aus dem Fenster blickt, bietet sich ihm ein imposantes Bild. Unmittelbar an seinen Garten grenzen die meterhohen, roten Palliener Sandsteinfelsen. Doch nach dem tödlichen Unglück in Stein an der Traun ruft das Wunderwerk der Natur ungute Erinnerungen in ihm hervor. Vor fast genau fünf Jahren, am 18. Februar 2005, waren gegen 8.30 Uhr geschätzte 150 Kubikmeter von der Wand gebrochen und hatten Beckers Grundstück in der Bonner Straße 46 verwüstet. Zwei Doppelgaragen wurden komplett zerstört. Tannen im Garten hatte das mannshohe Geröll umgeknickt wie Streichhölzer. Verletzt wurde wie durch Zufall niemand. "Eigentlich hätte ein Bekannter da sein sollen", erzählt der Ingenieur. "Doch da er an diesem Tag Geburtstag hatte, hatte er sich verspätet."

Jeder Rumms erinnert an damals



Die Bilder rufen noch heute ein mulmiges Gefühl in Becker hervor. Als er das Haus im Jahr 2002 gekauft hatte, lag der Gedanke an einen möglichen Felsrutsch mehr als fern. "Es hieß immer: Die Stadt macht jährliche Begutachtungen", sagt er. "Ich habe nicht mit einem Abrutsch gerechnet."

Doch was vor dem Unglück noch undenkbar war, beschäftigt ihn heute umso mehr. Seit dem Tag des Felssturzes beschäftigt sich Becker immer wieder mit dem Thema. Einen Grund für den Abrutsch sieht er im Wasser, das sich im Gestein im Laufe der Zeit ansammelt. "Bei der Witterung sind Felsbewegungen durch Gefrieren und Auftauen normal", erklärt er.

Kleine Brocken fallen noch heute von den Felsen. Erst vor einigen Tagen hat Philipp Becker das gehört, als er in seiner neu aufgebauten Garage nahe der Sandstein-Wand war. "Durch jeden kleinen Rumms werde ich an damals erinnert", fügt er hinzu. Die Stadt hatte nach dem Felssturz in einem Schreiben erklärt, dass man sich dem Felsen nicht mehr als zehn Meter nähern sollte. Doch trotz alledem führt sein Weg Becker an manchen Tagen näher an den Felsen heran. "Es ist ein Lottospiel, aber die ,Chance‘ getroffen zu werden ist wie ein Sechser."

Rund 160 000 Euro Schaden sind durch den Felssturz entstanden. Kosten, die die Stadt Trier übernehmen wollte. "Die Regulierungen sind nicht in der erwarteten Größenordnung erfolgt", erklärt Becker. Und das nächste Problem an der Sandstein-Wand sieht er ebenfalls jeden Tag: Ein meterhoher Vorsprung ragt schräg hinter seinem Garten empor. Auch dieser Brocken wird irgendwann fallen. Da ist sich Becker sicher. extra Trauer in Traunreut: Die Feststellung der Ursache für den tödlichen Felssturz im oberbayerischen Stein an der Traun wird Wochen oder gar Monate dauern. Das gab gestern die Staatsanwaltschaft Traunstein bekannt. Sie hat einen Experten mit einem geologischen Gutachten beauftragt. Im nahen Traunreut herrscht Trauerstimmung: Mitschüler gedachten der getöteten 18-jährigen Sophie, die am dortigen Gymnasium vor dem Abitur stand. Der gewaltige Felssturz hatte am Montagabend das Wohnhaus ihrer Familie dem Erdboden gleichgemacht. Dabei starb auch Sophies Vater (45). Wie durch ein Wunder überlebten ihre Mutter (40) und ihr Bruder (16) das Unglück. Beide wurden aber schwer verletzt.