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Impfen schützt vor gefährlichem Virus

Impfen schützt vor gefährlichem Virus

An Schweinegrippe hat kaum noch einer gedacht. Ausgerottet waren die Viren vom Typ H1N1 aber nicht. In diesem Jahr treten sie wieder besonders heftig auf.

Trier. Es war im Jahr 2009. Deutschland bereitete sich auf eine noch nie dagewesene Grippewelle vor. Von möglicherweise Zigtausenden Grippe-Toten war in Horrorszenarien die Rede, angebliche Experten sagten voraus, das öffentliche Leben in Deutschland werde möglicherweise zum Erliegen kommen. Grund für die Hysterie: Erstmals tauchte das H1N1-Virus als Grippeerreger auf - die Schweinegrippe. Wobei der Name irreführend ist. Denn nicht Schweine waren für die Ausbreitung des Virus vor sieben Jahren verantwortlich.
Bereits Mitte der 1970er Jahre hatte es eine Übertragung von den Tieren auf die Menschen gegeben. Doch Anfang 2009 gab es dann einen massenhaften Ausbruch in Mexiko. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich von dort aus das bis dahin neue Virus über die halbe Welt. Um eine weltweite Ausbreitung, eine Pandemie, zu vermeiden, wurde mit Hochdruck massenweise Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus produziert. Auch Rheinland-Pfalz orderte gleich 2,5 Millionen Dosen des Impfstoffes. Zwar erkrankten damals über 15 000 Menschen im Land an H1N1 - und sieben starben. Doch das waren weit weniger Fälle als befürchtet. Die Länder blieben auf ihren Impfungen sitzen. Das Schweinegrippe-Virus zeigte sich weniger aggressiv als von der Weltgesundheitsorganisation vorhergesagt. Ausgerottet ist das Virus aber nicht. Jedes Jahr zur Grippezeit sorgt es für Infektionen. Auch in diesem Jahr. Die Grippeviren variieren jedes Jahr. Daher muss auch die Impfung für jede Saison angepasst werden. Die Grippeimpfung wirke in dieser Saison sehr gut gegen die derzeit grassierenden Viren, sagt Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamtes. Daher sollten sich insbesondere chronisch Kranke, die bisher nicht geimpft wurden, und auch jüngere Menschen jetzt noch impfen lassen. Vor allem unter 50-Jährige sind von der derzeitigen Grippewelle am heftigsten betroffen.
Wann und ob es zu einer Grippewelle kommt, lässt sich schwer voraussagen. Die letzte größere hat es vor drei Jahren gegeben. Bis Ende Februar 2013 wurden allein in der Region fast 200 Grippe-Kranke gemeldet, landesweit waren es 1000. Auch im vergangenen Jahr wütete die Influenza, wie die Grippe offiziell heißt, besonders heftig. Derzeit liegt die Zahl der mit Influenza-Infizierten im Land bei rund 300. Während Rolf Mahlberg, Chefarzt der Inneren Abteilung des Trierer Mutterhauses, davon ausgeht, dass der Höhepunkt der Grippewelle bereits erreicht sein könnte, sagt Achim Ginkel, Sprecher des Landesuntersuchungsamts, erst in den kommenden Wochen werde sich herausstellen, wie diesjährige Grippesaison ausfallen wird.
Normale Grippewellen sorgen laut dem für die Gesundheitsüberwachung in Deutschland zuständigen Robert-Koch-Institut (RKI) für jährlich eine bis fünf Millionen zusätzliche Arztbesuche. Bei starken Grippewellen liege diese Zahl deutlich darüber. Laut RKI geht jeder Zweite mit typischen Influenza-Symptomen (siehe Extra) zum Arzt.
Zumeist kommt es in den ersten Monaten des Jahres zum Anstieg von Grippeerkrankungen. Die Erreger sind bei Kälte und niedriger Luftfeuchtigkeit, also etwa in trockenen, geschlossenen Räumen, besonders leicht übertragbar, und gleichzeitig ist das Immunsystem des Menschen im Winter ohnehin geschwächt. Auch Karneval spielt bei der Ausbreitung eine Rolle: Wenn viele Menschen auf engstem Raum feiern, werden die Viren schnell übertragen. Experten zufolge erkranken während einer Grippesaison zwischen zwei und zehn Millionen Menschen in Deutschland. Die Zahl der Infizierten - nicht jeder, der sich mit Influenza ansteckt, erkrankt auch - liegt laut RKI zwischen vier und 16 Millionen.
Auch die Zahl der Todesfälle kann je nach Stärke der Grippewelle schwanken. Die meisten Todesfälle in Deutschland gab es laut RKI in der Grippesaison 2012/2013 mit über 20 000 Toten. Über 300 000 Grippe-Patienten mussten damals im Krankenhaus behandelt werden, ein Jahr später lag die Zahl bei rund 3000.
Mit weltweit 50 Millionen Toten zählt der Ausbruch der sogenannten Spanischen Grippe 1918 noch immer zu den schlimmsten Krankheitswellen. 1968 breitete sich die sogenannte Hongkong-Grippe aus, an der bis 1970 weltweit über 800 000 Menschen starben.
Vor allem in Asien entstehen immer wieder neue Influenzaviren, weil viele Menschen auf engstem Raum und oft auch mit Hühnern und Schweinen zusammenleben. In einem solchen Milieu können sich die Erreger gut und schnell verbreiten.Extra

Eine Grippe (Influenza) beginnt zumeist sehr heftig. Betroffene fühlen sich mit einem Mal krank, haben Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, fühlen sich erschöpft und haben keinen Hunger. Ausgelöst wird eine Grippe durch Influenzaviren. Übertragen werden sie durch Tröpfchen, beim Niesen oder Husten. Nach einer Infektion dauert es bis zu zwei Tagen, bis erste Symptome auftreten. Eine Erkältung (oft auch als grippaler Infekt) beginnt zumeist schleichend. Die Symptome treten oft hintereinander auf: Halskratzen, Schnupfen, Husten, manchmal auch erhöhte Temperatur. Ausgelöst werden kann eine Erkältung durch mehr als 30 verschiedene Viren, die auch durch Tröpfchen übertragen werden. Schwere Verläufe sind eher selten und treten vor allem bei immungeschwächten und vorerkrankten Menschen auf. wie