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Internationale Automobil-Ausstellung: Trierer Studenten mit E-Auto dabei

Trier/Frankfurt. Alle reden über Elektroautos ... aber zu sehen gibt es bei der IAA in Frankfurt vorwiegend traditionelle Modelle mit Verbrennungsmotoren. Trierer Studenten präsentieren einen alltagsfähigen Stromer. Bernd Wientjes und Eckart Gienke

Elektroantrieb oder Verbrenner? Fährt der Mensch oder die Maschine? Das Auto noch besitzen oder nur benutzen? Selten mussten sich die Autohersteller auf einer Messe so viele Fragen stellen wie auf der heute beginnenden(IAA) in Frankfurt.

Wie das Auto der Zukunft aussieht, war selten so ungewiss. Bei den meisten in Frankfurt präsentierten neuen Modellen handelt es sich allerdings nicht um Elektroautos. Unter der Haube vieler Neuheiten steckt oft noch ein ganz gewöhnlicher Verbrennungsmotor. Und ausgerechnet der vermeintliche Vorreiter bei der E-Mobilität, der amerikanische Hersteller Tesla, hat seine Teilnahme an der Autoschau abgesagt.

Für Matthias Scherer, Professor für Elektrotechnik und Leiter des seit diesem Semester angebotenen Studiengangs für Elektromobilität an der Hochschule Trier, ist es kein Wunder, dass E-Autos noch immer nicht die große Rolle bei der IAA spielen. "E-Mobilität ist eine neue Welt", sagt Scherer. Die etablierten Autohersteller seien nicht traurig über die geringe Nachfrage nach den Stromern. "Mit großen, stark motorisierten Fahrzeugen lässt sich wesentlich einfacher Geld verdienen." Bei der Umstellung der Produktion auf E-Autos gehe es zudem um sehr viele Arbeitskräfte, deren Fachwissen dann nicht mehr benötigt werde.

Zwar steigt aufgrund des Diesel-Skandals die Nachfrage nach Autos mit Elektroantrieb, allerdings noch sehr verhalten. Was auch am Preis liegen dürfte. So kostet die Stromvariante des VW-Kleinwagens Up rund 27.000 Euro und als Benziner knapp 10.000 Euro. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der E-Autos derzeit überschaubar ist. Gerade mal 431 sind in Trier-Saarburg zugelassen, 335 sind es in Trier - und das bei rund 146.000 insgesamt zugelassenen Personenwagen. In ganz Rheinland-Pfalz sind derzeit rund 1400 Elektroautos unterwegs, macht 0,58 pro 1000 Autos. Im August wurden bundesweit 2177 Elektroautos zugelassen, das entspricht einem Plus von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am gefragtesten sind derzeit aber noch immer Benziner. Ihr Anteil an den Neuzulassungen machte im August fast 60 Prozent aus. Laut einer Umfrage zweifeln Autokäufer an der Alltagstauglichkeit der alternativen Antriebsarten.

Dem widerspricht Scherer. Die E-Autos dürften sich nicht an den herkömmlichen Fahrzeugen orientieren, sondern müssten den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst werden. Für 85 Prozent aller Fahrten reiche ein kleines, leichtes Auto mit begrenzter Reichweite. "Dann kann die Batterie klein dimensioniert und an fast jeder Steckdose geladen werden." Dann, so Scherer, wäre man von der Massentauglichkeit nicht weit entfernt.

Ein solches Auto präsentieren er und seine Studenten auf der IAA. Der gerade mal 550 Kilogramm schwere proTRon Evolution mit Platz für vier Personen fährt nicht schneller als 100 Stundenkilometer und kann mit voller Batterie mindestens 100 Kilometer weit fahren.