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Internet-Kriminalität: Neue Einbrecher kommen durchs Netz

Kriminalität : Die neuen Einbrecher kommen durchs Netz

Experten informieren in Trier, wie sich Bürger vor Viren, Trojanern und Hackern schützen können.

Es grenzt an Zauberei: Als der Moderator am Donnerstagabend die Jutetasche über den Computer legt, werden sämtliche Daten wie von Geisterhand auf den Nachbarrechner übertragen. Die über hundert Zuschauer verfolgen gebannt das live von den Rechnerbildschirmen an die Wand projizierte Schauspiel. Wie ist das nur möglich?

Hexerei ist es jedenfalls nicht. Eher schon eine ziemlich ausgebuffte Form des Hackings, also des Eindringens in ein fremdes Computersystem. „Die Cyber-Kriminellen sind die Einbrecher des 21. Jahrhundert“, sagt Triers Polizeipräsident Rudolf Berg. Er hat an diesem Abend gemeinsam mit Mainzer Innenministerium und Trierer Verbraucherzentrale interessierte Bürger eingeladen, um mal ein paar Tricks und Kniffe der Hacker kennenzulernen und natürlich wirksame Gegenmaßnahmen.

Die sind in der Regel gar nicht so kompliziert, wie die beiden Moderatoren einer Offenburger IT-Sicherheitsfirma demonstrieren. Beispiel Virenscanner: Laut Experte Stefan Logwinski gibt es rund 800 Millionen Computerviren. Aber trotztdem hätten viele Nutzer kein Antiviren-Programm. Die gibt es in einer Basisversion teilweise sogar kostenlos und sind nach Angaben der IT-Spezialisten geeignet, den heimischen Computer oder das Smartphone vor Angriffen zu schützen. Merksatz: Scanner installieren, aktualisieren und nicht deaktivieren. Das Gleiche gelte auch für die sogenannte Firewall, ein Sicherungssystem, das den Computer vor unerwünschten Zugriffen schützt. „Auf keinen Fall ausschalten“, rät Experte Logwinski, „und das Betriebssystem immer zeitnah aktualisieren, wenn Sicherhitsupdates verfügbar sind.“

Auch Apps, wie die Programme für Mobiltelefone genannt werden, sollten regelmäßig aktualisiert werden. Sie können Schadsoftware einschleusen und den Nutzer ausspionieren. Deshalb raten die Experten, die Zugriffsrechte zu überprüfen. Viele Apps greifen auf Kamera, Mikrofon oder Kontakte zu, ohne dass dies dem Smartphonebesitzer bekannt ist. Die Zugriffsrechte können aber für jede App gesperrt werden.

Apropos Apps: Die Internetexperten warnen vor sogenannten Fake-Apps, die echten Anwendungen teils sehr ähnlich sehen und mit vermeintlichem Zusatznutzen ködern. Tatsächlich lädt man sich mit der App aber eine gefährliche Schadsoftware herunter, die Daten klaut und den Nutzer ausspioniert. Indizien, wie Fake-Apps zu erkennen sind: Schreibweise der App und Gestaltung möglicher Logos überprüfen. Eine ungewöhnliche Farbgebung oder ein verändertes Muster können auf eine Fälschung hinweisen. Zudem sollten Apps nur in offiziellen App-Stores heruntergeladen werden.

Die Cyber-Kriminalität boomt. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenstaatssekretärs Randolf Stich wurden im vergangenen Jahr bundesweit 85 000 Cyber-Straftaten gezählt. Dabei sei es nur um das Ausspähen von Daten gegangen. Daneben gab es über 200 000 Betrugsstraftaten bei Online-Banking oder Internet-Käufen. Die Kriminalisten gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Cyberstraftaten nicht bemerkt oder angezeigt werden.

Vorsicht ist nach Angabe der Experten auch bei E-Mails geboten. „Jede Mail kann gefälscht sein“, sagt IT-Fachmann Stefan Logwinski. Er rät, unbekannte Dateien oder Anhänge nicht zu öffnen. Auch wenn Links angegeben würden, müsse der Mailempfänger vorsichtig sein. Wer sich – auf welche Weise auch immer – einen Verschlüsselungstrojaner einfängt, „hat Pech gehabt“, sagen die Experten und raten, das geforderte Geld nicht zu zu zahlen. Die Verschlüsselung werde ohnehin nur in den seltensten Fällen wieder gelöst, eher schon eine weitere Forderung nachgeschoben.

Je länger, desto besser, empfehlen die Sicherheitsexperten bei der Wahl der Passwörter. Ein gutes Passwort sollte demnach mindestens acht Zeichen lang sein. Um es zu knacken, benötigten Hacker drei Tage, sagt Stefan Logwinski. Bei neunstelligen Passwörtern hätten Cyberkriminelle acht Monate zu knabbern, bei zehnstelligen 61 Jahre. Bleibt noch die Frage, wie man sich die ganzen langen Passwörter merken soll. „Mit einem Passwort-Speicher“, empfehlen die Experten. Gratis-Versionen gibt es im Internet.

Und dann ist da ja noch die Sache mit der Jutetasche. Des Rätsels Lösung: Die Daten auf dem Rechner werden von einer  von Hackern manipulierten Computermaus abgegriffen und erst bei Dunkelheit automatisch auf den Rechner der Cyber-Kriminellen übertragen.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter
cybersicherheit-rlp.de
bsi-fuer-buerger.de