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Irgendwie wie immer

Serie Wahlplakate im Expertenurteil, Teil 2: Die SPD.

Karsten Göbel, Geschäftsführer Agentur Super an der Spree GmbH, Berlin: Inhaltsleere wird den SPD-Plakaten ebenso wie denen der CDU vorgeworfen. Bei der CDU ist das Einschläfern der Wähler allerdings Teil der Lösung, bei der SPD ist die fehlende Konkretisierung ihr Problem. Die SPD zeigt nette Fotos von Kindern, Jungen und Alten und auch mal den Kandidaten aus Würselen. Niemand würde sich wundern, nutzte der Discounter ums Eck ähnliche Motive für seinen nächsten Abverkauf. Dazu auf einem roten Quadrat die jeweiligen Aussagen. Nichts stört, nichts überrascht, nichts irritiert. Nur alter Wein in Asbach-Schläuchen. "Zukunft braucht", "irgendwas mit Familien", "Bildung darf nichts kosten".
Kein Widerspruch, weil viel zu oft gehört. Aber hier liegt das Problem: Wenn niemand dagegen sein kann, muss auch niemand dafür sein. Was die SPD mit "Zukunft" meint, bleibt nebulös.
Top-Themen in Zeiten der Digitalisierung wie Grundeinkommen, Chancenkonto oder Investitionspflicht verpuffen ob mangelhafter Übersetzung in die Lebenswirklichkeit der Wähler. Die SPD macht handwerklich saubere Plakate. Leider nur für sich selbst. Für die Wähler bietet sie keine Vision oder wenigstens Argumente, nicht CDU zu wählen. Gesamturteil: "Wo kostet Bildung eigentlich was in Deutschland, Herr Heil?".
Eberhard Bingel, Vorstand CB.e AG, Berlin: "Die SPD macht's wie immer! Mann o Mann ... Sind die Plakate noch übrig gewesen vom letzten Wahlkampf? Konventionelle Grafik, ähnlich einem Behördenprospekt, sorgt für Langeweile und garantiertes Übersehen werden. Immerhin, Kinderbilder schaffen Sympathie, das könnte ein paar Stimmen bringen. Der Grundsatz der Kampagne: Zeit für mehr Gerechtigkeit scheint nicht mehr besonders wichtig zu sein, er ist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze dimensioniert ... Die konkrete Aussage zielt auf das Stammpublikum der SPD. Bildung ist auch nach wie vor wichtig, aber aktuell beherrschen ganz andere Fragen die Diskussion. Die Themen sind natürlich altes sozialdemokratisches Kulturgut, haben aber auch bei den letzten Wahlen nicht gereicht. Die neuen Themen aus der Digitalisierung werden nicht angesprochen.Extra: SERIE WAHLPLAKATE IM EXPERTENCHECK


(wk) Seit Wochen sind die Straßen gepflastert mit den Wahlplakaten. Aber sprechen sie die Bürger überhaupt an? Wir fragten zwei renommierte Experten, die derzeit für keine der Parteien im Wahlkampf aktiv sind, aber Erfahrungen mit politischen Auftraggebern haben. Karsten Göbel, Jahrgang 1969, leitet die Agentur Super in Berlin-Kreuzberg. Zu deren bisherigen Kunden zählen unter anderem das Rote Kreuz, das Entwicklungshilfeministerium und Philipps. Eberhard Bingel, Jahrgang 1958, ist zusammen mit Sabine Clausecker Gründer, Vorstand und Geschäftsführer der Agentur CB.e AG in Berlin-Charlottenburg. Auf der bisherigen Kundenliste stehen unter anderem Daimler, Lufthansa, das Gesundheits- und Arbeitsministerium und die ARD.