Ist er noch zu stoppen?

Er zitiert Mussolini, distanziert sich nicht vom rassistischen Ku-Klux-Klan und hat beste Chancen, republikanischer Kandidat für das Amt des US-Präsidenten zu werden. Selbst Mitglieder aus der eigenen Partei warnen davor, Donald Trump zu wählen. Kommen sie zu spät? Eine Analyse.

Washington. Monatelang galt die Devise, Donald Trump schlicht zu ignorieren, nachdem er im Juni in den Ring gestiegen war. Es galt das Prinzip Hoffnung, dass der Unternehmer sich auf dem glatten Parkett der Politik blamieren würde. Die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Trump marschiert mit einem Schwung durch die republikanischen Vorwahlen, dass die ersten Rivalen von früher bereits zu ihm überlaufen. Den Anfang machte Chris Christie, der Gouverneur New Jerseys, der den Baulöwen einst wegen großmäulig übertünchter Inhaltsleere verspottet hatte."Keine Chance gegen Hillary"



In drei der vier Staaten, die traditionell den Auftakt bilden, hat Trump die Vorwahlen der Republikaner gewonnen. Seine Anhänger, allen voran die frustrierte weiße Arbeiterschaft, halten ihm bislang so unbeirrt die Treue, dass alle Attacken gegen ihn nahezu wirkungslos bleiben. Vor dem Super Tuesday (siehe Extra) liegt er in neun der zwölf Bundesstaaten, deren Wähler am Dienstag entscheiden, in den Umfragen an erster Stelle. Bestätigen sich die Prognosen, ist Trump womöglich schon in wenigen Wochen der Kandidat der Konservativen für die Nachfolge des Präsidenten Barack Obama - am 8. November sind die Wahlen in den USA.
Aus Sicht des Establishments bedeutete es, dass ein Alptraum wahr würde. Mit Trump, orakelt Nikki Haley, die Gouverneurin South Carolinas, hätte die Partei keine Chance, das Finale gegen Hillary Clinton, die voraussichtliche Kandidatin der Demokraten, zu gewinnen. Bei höchstens 35 Prozent der amerikanischen Wähler fände der Mann Unterstützung, glaubt Haley.
Selbst manche Anhänger der Republikaner würden Clinton den Zuschlag geben, um Trump zu verhindern. Am Wochenende sorgte der Immobilienmogul einmal mehr für Furore, als er es ablehnte, sich vom Ku-Klux-Klan zu distanzieren. David Duke, ein früherer Anführer des rassistischen Bundes der Kapuzenmänner, hatte ihn zur Wahl empfohlen. Bei CNN darauf angesprochen, sagte Trump, er wisse nichts über Duke, sodass er ihn auch nicht verurteilen könne.
Zuvor hatte er den 6,48 Millionen Interessierten, die ihm bei Twitter folgen, ein Zitat des italienischen Diktators Benito Mussolini ans Herz gelegt: "Besser einen Tag als Löwe leben als hundert Jahre als Schaf." Die Frage eines NBC-Moderators, ob er die geistige Nähe eines Faschisten suche, beantwortete er mit achselzuckender Lässigkeit: Der Spruch gefalle ihm, ob er nun auf Mussolini zurückgehe oder auch nicht.
Welche Alarmstimmung der Höhenflug des Populisten ausgelöst hat, ließ sich dieser Tage an einem dramatisch formulierten Leitartikel der Washington Post ablesen. Republikaner wie Mitt Romney, George W. Bush oder John McCain müssten alles in ihrer Macht Stehende tun, um Trump zu stoppen, mahnte das Blatt. "Er will, dass die Vereinigten Staaten Kriegsverbrechen begehen, darunter Folter und die Ermordung unschuldiger Angehöriger von Terrorverdächtigen." Trump verehre Wladimir Putin und würde elf Millionen illegal eingewanderte Menschen deportieren, "eine Zwangsumsiedlung von einer Dimension, wie sie seit Stalin oder Pol Pot nicht versucht wurde". Im Laufe der Kampagne habe er Frauen, Juden, Muslime, Mexikaner, Behinderte und viele andere herabgesetzt. Ob sich die Republikanische Partei nicht endlich mit aller Kraft gegen ihre eigene Entwürdigung wehren wolle, fragte die Zeitung.
Die Hoffnungen, den Durchmarsch des Seiteneinsteigers noch aufzuhalten, ruhen nun besonders auf Marco Rubio, dem aufstrebenden Senator aus Florida. Alle Experten setzen praktisch voraus, dass Rubio als einziger Gegner Trumps im Rennen bleibt. Je früher die drei anderen (Ted Cruz, John Kasich, Ben Carson) aussteigen, desto besser aus Sicht der Parteistrategen, weil mehr Wähler dann möglicherweise für Rubio stimmen.
Das Problem: Momentan deutet nichts darauf hin, dass sich jeder darauf einlassen wird. Für Trump ist das von Vorteil.Extra

Für den Gesamtsieg zum Präsidentschaftskandidaten braucht ein Bewerber bei den Republikanern 1237 Delegierte. Bei den Demokraten muss der Sieger mindestens 2383 Delegierte auf sich vereinen. Der Super Tues day nimmt einen großen Stellenwert ein. Es geht an diesem Tag um rund 1000 Delegierte der Demokraten - etwa 20 Prozent der Gesamtzahl. Und um 600 Delegierte bei den Republikanern, etwa ein Viertel aller. Wahlen sind in zwölf Staaten: Alabama, Alaska (nur Republikaner), Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont, Virginia. Außerdem wählen die Demokraten im Außengebiet Amerikanisch Samoa.dpa