Jeden Tag infizieren sich 6000 Menschen

Jeden Tag infizieren sich 6000 Menschen

Der aus Bitburg stammende Priester Stefan Hippler (Foto: privat) lebt seit 17 Jahren in Südafrika, kümmert sich dort um mehrere Aids-Projekte. Derzeit nimmt Hippler an der Welt-Aids-Konferenz im australischen Melbourne teil. Mit dem 54-Jährigen sprach TV-Redakteur Rolf Seydewitz.

Was sind Ihre Erwartungen an die Konferenz?
Hippler: Meine Erwartungen sind vielschichtig: Zum einen möchte ich gerne hören, was es Neues gibt im Bereich Wissenschaft und Forschung: Was sind neue Entwicklungen, neue Erkenntnisse und daraus resultierende neue Schritte auf dem Weg zur Eliminierung von HIV und Aids? Auf der anderen Seite steht die aus Erfahrung früherer Konferenzen bestehende Erwartung, mit anderen Nichtregierungsorganisationen weltweit ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen zu teilen und Synergien herzustellen. Zuhören und Lernen sind mir wichtig dabei. Letztendlich geht es auch darum, selber noch einmal aufzutanken im Wissen, dass man nicht alleine gegen diese Pandemie kämpft.
Was ist bei der HIV-Bekämpfung das größte Problem?
Hippler: Das größte Problem ist, dass gerade auch in Europa viele der Meinung sind, die Pandemie wäre schon vorbei und besiegt. Dabei wird die Gefahr der Resistenzbildung komplett übersehen. Die weltweit 6000 Neuinfektionen täglich, 1,1 Millionen Aidstote im Jahr, das sind Zahlen, die zu denken geben sollten.
Was unterscheidet die Situation in Afrika von der in Europa oder Amerika?
Hippler: Der Unterschied zwischen Afrika und Europa wurde mir bewusst, als ich zu einer Ärztetagung eingeladen war. Während man in Deutschland über kleinere Nebenwirkungen von antiretroviralen Medikamenten diskutiert, geht es in Afrika um Leben und Tod. Nehmen wir das Beispiel Südafrika: Über 500 durch Aids verursachte Todesfälle täglich sprechen eine deutliche Sprache. Die USA haben eine Sonderstellung: Es gibt Medikamente, es gibt inzwischen ja auch "Obamacare", das den Zugang der Amerikaner zu einer Krankenversicherung deutlich erleichtert. Aber Washington hat in der schwarzen Bevölkerung eine fast noch schlechtere Statistik als Südafrika.
Was kann die Welt-Aids-Konferenz leisten?
Hippler: Synergien zwischen Nichtregierungsorganisationen, Aktivisten und Forschern ist das erste Stichwort - es ist wichtig, das alle Parteien zusammenkommen und am selben Strick ziehen. Aktivismus und Forschung bedingen sich gegenseitig. Ermutigung ist das zweite Stichwort: 18 000 Menschen treffen aufeinander und plötzlich realisiert man, dass man nicht alleine ist. Das ist für die Motivation wichtig. Innehalten und Ausschau halten ist das dritte Stichwort - man ist im Alltag in seinem Trott, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Eine Konferenz öffnet da manche neue Tür, gibt so manche neue Idee. sey

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