Jeder kann zum Piloten werden

Sie schwirren zu Tausenden am Himmel: Drohnen. Die Zahl der unbemannten Fluggeräte nimmt rasant zu. Und damit auch die Zahl der Zwischenfälle.

Trier. Leise schwebt die Drohne durch die Luft. Plötzlich kommt von der Seite ein Adler angeflogen, krallt sich das unbemannte Fluggerät und bringt es zu Boden. Die niederländische Polizei testet derzeit, wie sie Drohnen, die etwa für Terrorangriffe eingesetzt werden, mit Hilfe von Raubvögeln vom Himmel holen kann.

Während man im Nachbarland vor allem die terroristische Gefahr durch Drohnen im Blick hat, sind es in Deutschland eher die gefährlichen Begegnungen der ferngesteuerten Minihelikopter mit Flugzeugen. Mit der Zunahme der Zahl der Drohnen komme es immer öfter zu Konflikten im Luftraum, warnt die Bundesbehörde. Weil die Fluggeräte mittlerweile schon für verhältnismäßig wenig Geld gekauft werden können, steigt die Zahl der Drohnenpiloten rasant. Die Flugsicherung schätzt, dass es bis 2020 über eine Million der unbemannten Flugobjekte in Deutschland geben wird. Derzeit sind es rund 400 000.Kontrolle nur schwer möglich

Ohne Einweisung in Vorschriften für den Luftverkehr kann jeder zum Hobbypiloten werden. Bis zu 2000 Meter hoch können die Drohnen fliegen. Eine Kontrolle vom Boden aus ist dann schwer möglich. Erlaubt sind je nach Bundesland zwischen 100 und 200 Meter Flughöhe. Es muss nämlich während des Fluges stets Sichtkontakt zwischen dem Lenker und dem Fluggerät bestehen.

Laut Stiftung Warentest darf jeder "zu Zwecken des Sports oder Freizeitgestaltung" Drohnen fliegen, falls sie weniger als fünf Kilogramm wiegen - auch Kinder und Jugendliche. Und das ohne Genehmigung oder Schulung. Wird die Drohne zu kommerziellen Zwecken eingesetzt, etwa um professionelle Fotos aus der Luft zu schießen oder Waren zu transportieren, ist eine Genehmigung erforderlich.

Nicht nur im Flugverkehr kommt es zu Problemen mit Drohnen.Vorschriften nicht bekannt

Immer wieder beschweren sich Bürger, dass über ihren Grundstücken ein solches Gerät kreist und unerlaubt Fotos schießt. Das sei genauso verboten, wie über große Menschenansammlungen, Krankenhäuser, Atomanlagen, Gefängnisse oder etwa Kasernen zu fliegen, warnt die Flugsicherung.

Doch weil sich viele Drohnenpiloten nicht an die Vorschriften halten, will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nun strengere Regeln einführen. Dazu zählen unter anderem Flugverbote über Straßen, um etwa Abstürze von Drohnen auf Autos zu verhindern. Auch bei Polizeieinsätzen soll verboten werden, dass diese von oben durch Drohnen gefilmt werden.

In der Nähe von Flughäfen soll es verboten sein mit den kleinen hubschrauberähnlichen Geräten zu fliegen. Nicht ganz vom Tisch ist auch eine Art Führerschein, der dazu berechtigt, unbemannte Fluggeräte zu steuern. Das wiederum könnte dann auch Modellflieger betreffen. "Vor allem Kinder und Jugendliche würden sich durch eine solche Hürde kaum noch mit diesem Hobby beschäftigen", sagt Christoph Bremer, Sprecher des Deutschen Modellflugverbandes. Er erinnert daran, dass "die meisten Karrieren in der Luft- und Raumfahrt ihren Anfang in der Modellfliegerei nahmen - und der Nachwuchs hierfür kommt inzwischen oft über Drohnen zu uns".Führerschein im Gespräch

Sinnvoller als ein Führerschein sei ein "Kenntnisnachweis", sagt Bremer. Viele Drohnenpiloten wüssten schlichtweg nicht, welche Regeln für sie gelten und würden daher auch die potenziellen Gefahren nicht kennen. "Man sollte bei der ganzen Diskussion berücksichtigen, dass es bisher noch zu keiner Drohnenkollision mit der bemannten Luftfahrt gekommen ist. Das grundsätzliche Risiko eines solchen Vorfalls ist auch als sehr gering einzustufen", so der Verbandssprecher.

Auch Rolf Hillmann vom Modellflugsportclub Hohe Eifel Daun hält nichts von einem Drohnenführerschein. Eine Einweisung in die entsprechenden Vorschriften durch einen Verein sei ausreichend.

Der Cochemer SPD-Landtagsabgeordnete Benedikt Oster fordert Ausnahmen für Modellflieger. Erste Signale aus dem Bundesverkehrsministerium deuteten darauf hin, dass die Piloten von Modellflugzeugen erst einmal aufatmen können, sagt Oster. Es solle Ausnahmen geben.