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Jesuiten bringen katholische Bischöfe in Zugzwang

Jesuiten bringen katholische Bischöfe in Zugzwang

Mit ihrer Ankündigung, Missbrauchsopfer zu entschädigen, haben die Jesuiten die deutschen Bischöfe in Zugzwang gebracht. Die Bischofskonferenz tagt ab Montag in Fulda. Dabei geht es einmal mehr um das Thema Missbrauch.

Trier. Der katholischen Kirche ist längst klar, dass an einer finanziellen Entschädigung der von Kirchenangehörigen in den vergangenen Jahrzehnten missbrauchten Schüler oder Messdiener kein Weg mehr vorbei führt. Die Frage ist nur noch: Wie hoch wird der Betrag sein, der den Opfern angeboten wird? Und wie lange wird es dauern, bis ein solches Angebot unterbreitet wird?

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann hatte erst unlängst angekündigt, dass die katholische Kirche dem Runden Tisch demnächst Vorschläge unterbreiten werde. "Wir halten ein abgestimmtes Vorgehen für richtig und wichtig", sagte Ackermann, den das gestrige Vorpreschen der Jesuiten wie ein Schlag getroffen haben dürfte. Die Ordensgemeinschaft überlegt demnach, jedes der bislang bekannten 200 Opfer mit 5000 Euro zu entschädigen.

Mit 5000 Euro ist eine Hausnummer gesetzt



Zwar schränkte ein Jesuitensprecher ein, man sei sehr an einem Einvernehmen mit der Bischofskonferenz interessiert. Doch deren Vertreter dürften ziemlich ungehalten darüber sein, dass ihnen von den Jesuiten sozusagen die Pistole auf die Brust gesetzt wird. Zumindest ist mit der Zahl 5000 Euro eine Hausnummer gesetzt.

Auf Seiten der deutschen Bischöfe war man am Donnerstag darum bemüht, den offenkundigen Dissens nicht hochzuköcheln. "Wir kommentieren das nicht", sagte auch Ackermann-Sprecher Stephan Kronenburg.

In einem TV-Interview (siehe unten) hatte der Trierer Bischof erst vor wenigen Tagen gesagt, er sei froh, dass die Leitlinien-Diskussion nicht von der Frage der Entschädigungszahlungen überlagert worden sei. Genau das droht nun aber der am Montag beginnenden Bischofsvollversammlung in Fulda.

Dabei steht das aus Sicht der Bischöfe leidige Thema Missbrauch ohnehin auf der Tagesordnung. Nach den erst kürzlich überarbeiteten Leitlinien will Stephan Ackermann in der Vollversammlung eine Rahmenordnung zur Prävention vorstellen und möglichst auch absegnen lassen. Damit sollen die unterschiedlichen Regelwerke einzelner katholischer Einrichtungen vereinheitlicht werden.

Vorbild der noch unter Verschluss gehaltenen Richtlinien könnte die erst vor drei Monaten verabschiedete Rahmenordnung der österreichischen Kirche sein, in der detailliert festgelegt ist, wie etwa kirchliche Mitarbeiter künftig ausgewählt werden oder was beim Umgang mit Kindern oder Jugendlichen unbedingt zu beachten ist.

Unterdessen scheinen die Tage von Rainer Scherschel als Missbrauchsbeauftragter im Bistum Trier gezählt zu sein. Nach TV-Informationen will Bischof Ackermann ihn spätestens im Oktober ablösen. Nach den neuen Leitlinien sollen die Missbrauchsbeauftragten der Bistümer "nicht zur Leitung des Bistums gehören". Scherschel leitet die Stabsstelle Priester. Wer ihm folgen soll, ist noch nicht bekannt.