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Jobs für Ältere bleiben Mangelware

Jobs für Ältere bleiben Mangelware

Von den älteren Arbeitslosen kommen nur die wenigsten wieder in eine neue Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt. Nach einer Übersicht der Bundesagentur für Arbeit, die unserer Zeitung vorliegt, hatten von Januar bis November rund 543 000 Personen im Alter zwischen 58 und 64 Jahren ihre Erwerbslosigkeit beendet. Aber nur knapp 90 300 von ihnen fanden einen Job am ersten Arbeitsmarkt.

Berlin. Die meisten der Betroffenen in dieser Altersgruppe, gut 337 000, wurden nicht mehr als arbeitslos gezählt, weil sie entweder arbeitsunfähig waren, aus dem Erwerbsleben ausschieden oder unter vorruhestandsähnliche Regelungen fielen.
Hartz IV statt arbeitslos


So tauchen erwerbsfähige Personen über 58 Jahre seit 2009 nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf, wenn sie mindestens ein Jahr lang Hartz IV bezogen haben. Im Vormonat waren das immerhin knapp 105 000 Menschen.
Bis 2008 wurde allerdings noch ein deutlich größerer Personenkreis nicht von der Statistik erfasst.
Damals galt noch die sogenannte 58er-Regelung, wonach Arbeitslose über 58 selbst erklären konnten, dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen zu wollen. Dadurch galten im Jahr 2008 rund 620 000 Ältere nicht als arbeitslos.
Nach Ansicht der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, sind die jüngsten Daten ein Beleg dafür, "dass wir noch Lichtjahre davon entfernt sind, sagen zu können, ältere Arbeitslose hätten gute Chancen am Arbeitsmarkt". Die Bundesregierung müsse die Realität zur Kenntnis nehmen und Ältere stärker fördern.
Kritik kam auch von den Grünen. Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer forderte eine "ehrliche Arbeitslosenstatistik, die nicht länger die Probleme verschleiert".
Das Bundesarbeitsministerium verwies indes darauf, dass die nicht in der Arbeitslosenstatistik erfassten Erwerbsfähigen weiter einen Anspruch auf Vermittlung hätten. Auch dürfe sich eine umfassende Bewertung der Arbeitsmarktlage Älterer nicht nur auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit beschränken.
Maßgebend sei auch die Beschäftigungssituation, erklärte ein Ministeriumssprecher. So seien im Jahr 2000 lediglich 26 Prozent der 55- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen. Im Juni 2010 waren es bereits 39 Prozent.
Bei der Altergruppe 60 plus liegt die Beschäftigungsquote allerdings deutlich niedriger. Im März 2011 verfügte nur jeder Vierte (26,5 Prozent) über einen sozialversicherungspflichtigen Job. Unter Einbeziehung aller Tätigkeiten, also auch der Mini-Jobs, lag die Quote im Vorjahr bei 40,5 Prozent.

Extra

Trotz eines saisonalen Anstiegs der Arbeitslosigkeit blieb die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Dezember weiter entspannt. Unternehmen seien zwar etwas verunsichert und stellten auch zögernder ein als noch vor ein paar Monaten; trotzdem seien die Aussichten von Arbeitslosen auf einen Job weiterhin gut, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Nach ihren Berechnungen waren im Dezember rund 2,8 Millionen Männer und Frauen arbeitslos; dies wären zwar rund 90 000 mehr als im November, aber rund 210 000 weniger als vor einem Jahr. dpa