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Jugendschützer: Zu viel Alkohol bei Umzügen

Jugendschützer: Zu viel Alkohol bei Umzügen

Karneval und Alkohol - das gehört für viele zusammen. Auch für immer mehr Jugendliche, vor allem bei den Umzügen. Experten warnen vor dem unkontrollierten Verteilen von Hochprozentigem.

Trier. (wie) "Mittlerweile wird bei vielen Umzügen mehr Schnaps als Süßigkeiten verteilt." Peter Caspers, Jugendschützer des Kreises Bernkastel-Wittlich, ärgert sich über die Unsitte. Bei vielen Zügen werde unkontrolliert Alkohol ausgeschenkt - auch an Jugendliche, kritisiert Caspers. Allein beim Saarburger Fastnachtsumzug am Samstag werden 1000 Liter Wein von den Wagen verteilt. Ein generelles Alkoholverbot bei den Umzügen lässt sich wohl kaum durchsetzen. Aber: "Hochprozentiges müsste bei den Zügen verboten werden", fordert Caspers. Branntwein und ähnlich Hochprozentiges dürfen Jugendliche nämlich nicht trinken. Bier und Wein ist bereits für 16-Jährige erlaubt.

Wer am Trierer Rosenmontagszug teilnimmt, der verpflichtet sich, keinen Alkohol an Jugendliche zu verteilen. Zugleiter Stefan Feltes ("Bei uns hält sich der Alkoholausschank von den Wagen in Grenzen.") verweist jedoch auf das grundsätzliche Problem: "Wie soll das kontrolliert werden?" Zwar machen Polizei und Ordnungsämter bei allen Fastnachtsumzügen Kontrollen. Doch dass sich Jugendliche betrinken, ist kaum zu verhindern. Viele bringen nämlich ihre Getränke - etwa Eistee gemischt mit Wodka - in Plastikflaschen mit.

"Durch die Unsitte, hochprozentigen Alkohol bei Umzügen wahllos auszuschenken, wird der Jugendschutz untergraben", sagt Jupp Arldt, Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) in Mainz. Dadurch würde das gefährliche Koma-Saufen gefördert. Arldt schätzt, dass rund 40 Prozent der 15- bis 17-Jährigen im Land zur Gruppe der Rauschtrinker gehört. Immer mehr Jugendliche müssen wegen übermäßigen Alkoholkonsums in Krankenhäusern behandelt werden. 2007 waren es laut Statistischem Landesamt 984 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren.

Die LZG hat dem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen den Kampf angesagt. Durch eine landesweite Kampagne ("Mach dir nix vor!") sollen sie lernen zu verzichten. "Kinder und Jugendliche werden viel schneller von Alkohol abhängig als Erwachsene", warnt Arldt. Er fordert stärkere Kontrollen während der Umzüge: "Wir haben ein Jugendschutzgesetz, das muss auch umgesetzt werden." Darin steht unmissverständlich: Erwachsene, die Jugendlichen unter 16 Jahren Alkohol ausschenken, machen sich strafbar.