Julia Klöckners Herausforderungen

Julia Klöckners Herausforderungen

Die Hoffnungsträgerin und ihr "Haufen": CDU-Chefin Julia Klöckner will sich heute von der Landtagsfraktion zur neuen Vorsitzenden wählen lassen. Ihr steht die schwierige Aufgabe bevor, eine Gemeinschaft zu formen.

Mainz. Seit vielen Jahren stellt man sich, wenn man einem CDU-Landtagsabgeordneten begegnet, unwillkürlich eine Frage: Zu welchem Lager zählt er oder sie? Über die Befindlichkeiten in dieser Mannschaft, die in der Vergangenheit nie eine war, ist damit schon beinahe alles gesagt. Ein führender Kopf der Fraktion hat es einmal so ausgedrückt: "Wir haben hier 38 Ich-AGs."

Nach der Landtagswahl brechen andere Zeiten an, aus 38 sind 41 CDU-Parlamentarier geworden. Einige Köpfe sind neu, viele bekannt.

Fünf Jahre lang Blockbildung



Noch immer gibt es jene, die einst zum Kreis des ehemaligen Partei- und Fraktionschefs Christoph Böhr aus Trier zählten, wie den Koblenzer Adolf Weiland und die Eifeler Michael Billen und Herbert Schneiders. Auf der anderen Seite hat der Frankenthaler Christian Baldauf Getreue wie Hans-Josef Bracht, Josef Rosenbauer, Alexander Licht oder Heinz-Hermann Schnabel um sich geschart.

Fünf Jahre lang standen sich diese beiden Blöcke unnachgiebig gegenüber. Und jetzt? Jetzt kommt Julia Klöckner. Frisch, unverbraucht, unbelastet, mit einem guten Wahlergebnis im Rücken, das ihrem reichlich vorhandenen Elan weiteren Schwung verleiht. Kann sie die verfeindeten Lager einen und damit das schaffen, was jahrelang misslang?

"Ich sehe das sehr gelassen. Jedem Neuanfang wohnt ein Zauber inne", sagt die 38-Jährige. Alle hätten für die CDU und für sie als Spitzenkandidatin gekämpft. "Die große Geschlossenheit ist kein Spezifikum eines Wahlkampfes." Sie spüre, wie sehr die CDU-Abgeordneten "mit dieser Kraft weitermachen wollen".

Kraft wird die Union reichlich brauchen. Nach dem Ausscheiden der FDP wird sie die einzige Opposition im Landtag sein und dem mächtigen, doppelt so großen Block der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen gegenüberstehen.

Der Fokus wird sich bei Rededuellen im Plenum stark auf die Fraktionsspitze richten. Klöckner selbst muss sich schnellstens in die Details der Landespolitik einarbeiten, um Respekt zu erwerben und ihren Führungsanspruch in der Fraktion zu untermauern. Heute will sie sich frei und geheim, wie sie betont, von der Fraktion zur Chefin wählen lassen. Die weiteren Mitglieder des Fraktionsvorstandes, also drei Stellvertreter, der parlamentarische Geschäftsführer und der Landtags-Vizepräsident, stehen noch nicht zur Debatte. Diese Ämter ohne anschließende Missstimmung zu besetzen wird für Klöckner eine große Herausforderung sein. Sie will und kann sich damit Zeit lassen, theoretisch bis zum 18. Mai, wenn sich der Landtag konstituiert.

Christian Baldauf, ihr Vorgänger, gilt als ein Anwärter für eine herausgehobene Position in der Fraktion. Er soll auch Bezirkschef der Partei in der Pfalz und damit Nachfolger von Kurt Lechner werden. Dann stellt sich die Frage, wen Klöckner noch berücksichtigt.

Zum Start eine Aussprache



Männer wie Alexander Licht oder Josef Rosenbauer, die in der vergangenen Wahlperiode am Ruder waren? Oder starke Kräfte wie Eifel-Rebell Michael Billen oder der Koblenzer Bezirkschef Adolf Weiland?

Klöckner kann hier vieles richtig, aber auch einiges falsch machen. Wenn sich zu Höherem Berufene falsch behandelt wähnen, birgt das große Gefahren, wie einst Baldauf schmerzlich erfahren musste, als er sich bei einer Wahl als Fraktionschef bestätigt wissen wollte, reichlich Gegenstimmen bekam und fortan arg geschwächt war. Es ist kein Geheimnis, dass sich zum Beispiel Adolf Weiland, früher Strippenzieher mit Böhr, in den vergangenen Jahren in die Schmollecke zurückgezogen hatte. Bekannt wie gefürchtet ist auch das Rebellentum von Michael Billen. Er soll zumindest wieder offen wie alle anderen begrüßt werden.

Julia Klöckner will heute in der Fraktion mit einer Aussprache starten. "Wir werden offen darüber reden, wie es gelaufen ist."