Kaltes Feuer, warme Worte

Es könnte eine IQ-Test-Aufgabe sein - markieren Sie die Stadt, die nicht zu den anderen passt: New York, Moskau, Havanna. Peking, London, Leipzig. Istanbul, Madrid, Rio. Wer da spontan an Leipzig denkt, liegt richtig: Alle anderen Olympia-Bewerberstädte haben mindestens vier Mal soviel Einwohner, sind Metropolen, weltweit bekannt.

Sind reich, schön, wichtig. Oder tun zumindest so. Leipzig hat dagegen vieles - nur keine echte Chance, 2012 das olympische Feuer zu entfachen. Dabei haben die Sachsen gestern eine Olympia-Bewerbung eingereicht, die Charme hat. Kurze Wege, alte Sporttraditionen, neue Bescheidenheit: Damit ist man in der konjunkturellen Realität gut aufgehoben - aber auch weit davon entfernt, beim eher lauwarmen Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) die Flammen der Begierde zu entfachen: Denn "Höher, schneller, weiter, teurer"-Gigantismus war für Bewerberstädte bislang immer die bessere Taktik, um die künftigen Goldmedaillen-Sieger zu beherbergen. Warum sollte sich das IOC - ganz unrevolutionär - fürs Brot entscheiden, wenn es auch den Kuchen umsonst haben kann? Die Konkurrenz klotzt ran, bietet Glamour und Glanz. Da mag man glauben, dass das heißeste Leipziger Eisen im Feuer gar nicht Bescheidenheit heißt, sondern Bach: Der mächtige IOC-Vizepräsident aus Tauberbischofsheim hält sich zwar aus der Sache heraus. Dass Thomas Bach aber nichts gegen ein sächsisches Olympia einzuwenden hätte, wissen auch seine Kollegen. Allein: das und die Provinz-Koketterie wird Leipzig vielleicht helfen, den kubanischen Konkurrenten Havanna hinter sich zu lassen, mehr aber nicht. Ein bisschen Wahrheit kann dennoch in der gruseligen "Wir haben keine Chance - nutzen wir sie"-Plattitüde stecken: Leipzig hat die Chance, zumindest national sein Image kräftig aufzupolieren;vorausgesetzt, der Funktionärs-Hickhack ist bald zu Ende. Denn der bloße Traum vom "Dabei sein" ist sicher nicht alles - er kann aber allerlei sein. a.feichtner@volksfreund.de