Kampf gegen Raser

Autofahrer aufgepasst: Morgen blitzt es häufiger als sonst. Anlässlich des fast europaweiten Blitzmarathons wird in der Region an 41 Stellen die Geschwindigkeit kontrolliert. Auch Luxemburg und Belgien beteiligen sich.

Trier. Bei 31 Verkehrsunfällen auf den Straßen der Region starben im vergangenen Jahr 34 Menschen. 14 Unfälle davon gingen auf das Konto von Rasern. "Überhöhte Geschwindigkeit ist auf unseren Straßen noch immer Todesursache Nummer eins", sagt der Trierer Polizeisprecher Uwe Konz. Insgesamt krachte es 2014 in der Region 2098 Mal, weil Autofahrer zu schnell fuhren.
Daher hat die Polizei seit einiger Zeit Rasern den Kampf angesagt. Nicht nur durch regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen. Sondern auch mit dem sogenannten Blitzmarathon. Einen Tag lang werden landesweit an verschiedenen Stellen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Am morgigen Donnerstag ab sechs Uhr ist es wieder so weit. Anders als beim letzten Blitzmarathon im September, der zeitgleich in allen Bundesländern stattfand, beteiligen sich dieses Mal 21 weitere EU-Länder, etwa Luxemburg und Belgien.
Kontrollstellen vorher bekannt


In der Region wird morgen an 41 Stellen kontrolliert, 90 Beamte sollen bis um Mitternacht im Einsatz sein. Landesweit soll es an 350 Stellen blitzen. Viele der Kontrollstellen konnten im Vorfeld von Bürgern vorgeschlagen werden. Wo genau geblitzt werden wird, soll heute im Laufe des Tages bekanntgegeben werden. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) begründet die Veröffentlichung der Kontrollstellen damit, dass der Blitzmarathon Präventionsarbeit sei und keine Abzocke.
In Luxemburg soll an über 100 Stellen die Geschwindigkeit kontrolliert werden, auch in Belgien werden Hunderte von Polizisten im Einsatz sein, um Raser zu stoppen. Anders als in Deutschland läuft in den anderen Ländern die Aktion 24 Stunden, also von Donnerstag sechs bis Freitag sechs Uhr. Der Grund, warum in Deutschland bereits um Mitternacht die Blitzer wieder eingepackt werden, ist die zentrale Trauerfeier für die Absturzopfer der Germanwings-Katastrophe am Freitag in Köln.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Rheinland-Pfalz spricht im Zusammenhang vom Blitzmarathon zwar von einem "inszenierten Spektakel", hält die Aktion aber für sinnvoll, wie GdP-Landeschef Ernst Scharbach unserer Zeitung sagt. Durch solche Aktionen werde den Autofahrern wieder ins Bewusstsein gerückt, wie gefährlich zu schnelles Fahren sei. Scharbach geht davon aus, dass die meisten Polizisten auch hinter dem Blitzmarathon stehen: "Solche Kontrollen gehören doch zu unserem Job." Weniger optimistisch, was den Erfolg eines solchen Kontrolltags angeht, ist man bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG).
DPolG-Landesvorsitzender Benno Langenberger bezweifelt, dass solche Aktionen auf Dauer das Verhalten von Autofahrern änderten. "Dieser Effekt würde anhalten, wenn sie damit rechnen müssten, dass immer kontrolliert wird. Aber so ist es nicht." Ein Blitzmarathon sei ein einmaliger Kraftakt der Polizei, "der sich aufgrund fehlenden Personals nicht einfach wiederholen lässt."
Und was, wenn man geblitzt wird, aber der Meinung ist, gar nicht zu schnell unterwegs gewesen zu sein? Dann sollte man Widerspruch einlegen, rät der Saarburger Fachanwalt für Verkehrsrecht, Gerd Müller. Doch als Betroffener eines Bußgeldverfahrens erhalte man keinen Einblick in die Ermittlungsakte. Das sei nur über einen Anwalt möglich. "Ohne den Inhalt der Akte zu kennen, kann man nicht feststellen, ob die Messung korrekt war", sagt Müller. Falls ein Fahrverbot drohe, dann lohne sich der Gang zum Anwalt auf jeden Fall. Selbst wenn der Bußgeldbescheid in Ordnung sei, die Messung also fehlerfrei war, könne unter Umständen erreicht werden, dass man den Führerschein nicht abgeben muss, wenn man eine höhere Geldbuße zahle, sagt Müller.