Kampf um den Kongress

So gründlich das Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump alles andere in den Schatten stellt, die Kongresswahlen, die am Dienstag ebenfalls über die Bühne gehen, entscheiden darüber, welchen Handlungsspielraum die neue Präsidentin beziehungsweise der neue Präsident haben wird.

Charles "Chuck" Schumer hat bereits im Alter von 23 Jahren Geschichte geschrieben. Da wurde er, gleichauf mit dem berühmten Theodore Roosevelt, der später ins Weiße Haus einzog, der jüngste Bewerber, der es je ins Parlament des Bundesstaats New York geschafft hatte. Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag delegierten ihn die Wähler Brooklyns ins Repräsentantenhaus nach Washington, mit 47 gelang ihm der Sprung in den US-Senat. Falls sich die Hoffnungen demokratischer Parteistrategen erfüllen, dürfte Schumer den Republikaner Mitch McConnell auf dem Posten des Mehrheitsführers der kleinen, aber feineren der beiden Parlamentskammern ablösen.

So gründlich das Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump alles andere in den Schatten stellt, die Kongresswahlen, die am Dienstag ebenfalls über die Bühne gehen, entscheiden darüber, welchen Handlungsspielraum die neue Präsidentin beziehungsweise der neue Präsident haben wird. Beider Wunschszenario wäre eine Legislative, in der ihre jeweilige Partei beide Kammern beherrscht. Geht man nach den aktuellen Umfragen, sieht es kaum danach aus, als ob das gelingen könnte.

Was den Senat angeht, so sind es die Blauen, die Demokraten, die sich Chancen ausrechnen, den Roten, den Republikanern, die Mehrheit abzunehmen. Im Moment stehen dort 44 Demokraten 54 Republikanern gegenüber. Zwei parteilose Senatoren, Bernie Sanders und Angus King, stimmen in aller Regel mit den Blauen. Um die

Majorität zu bilden, reichen 50 Sitze, vorausgesetzt, die Partei hält zugleich das Weiße Haus. Denn in einer Pattsituation ist es der Vizepräsident, dem das entscheidende Votum zukommt. Die Demokraten müssten also vier Mandate dazugewinnen, um den Republikanern den Senat abzuluchsen - falls Clinton die Oberhand über Trump behält. Zur Wahl stehen 34 der 100 Senatsmandate. Folgt man dem "Cook Political Report", dem verlässlichsten Barometer in Sachen Kongress, sind bis zu sieben republikanische Sitze wacklig.

In New Hampshire etwa muss Kelly Ayotte um ihre Wiederwahl bangen: Die Demokratin Maggie Hassan, bislang Gouverneurin des kleinen Neuengland-Staats, liefert ihr einem Kampf auf Biegen und Brechen. Mit Blick auf Indiana, Missouri und North Carolina sprechen Demoskopen von toten Rennen, deren Ausgang sich seriös nicht vorhersagen lasse. In allen drei Fällen sind es Republikaner, die Mandate zu verteidigen haben. Nur: Sah es vor zwei, drei Wochen noch so aus, als könnten sich konservative Senatoren in hart umkämpften Staaten gar nicht weit genug von Donald Trump absetzen, um nicht selber unter die Räder zu geraten, so hat sich dies auf der Zielgeraden des Rennens geändert. In dem Maße, wie der Immobilienmogul den Umfrage-Abstand zu Hillary Clinton verringerte, begannen manche von ihnen erneut umzuschwenken.

Dass die Mehrheit im House of Representatives wechselt, hält indes kaum jemand für möglich. Dort verfügt die "Grand Old Party" mit 246 Sitzen über die komfortabelste Mehrheit seit dem Ende der 1920er Jahre, während es die Demokraten auf 186 Abgeordnete bringen (drei Sitze sind vakant). Für eine Rochade müsste die Partei mit dem Eselswappen über dreißig Mandate erobern, was wohl nur im Falle eines Erdrutschsieges Clintons mit einhergehender Sogwirkung denkbar wäre. Sollte Trump die Wahl gewinnen, könnte es wiederum für den aktuellen Speaker des Repräsentantenhauses eng werden, auch wenn er ein Republikaner ist. Paul Ryan hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er den Milliardär bestenfalls halbherzig unterstützt.