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"Kein goldener Handschlag für Pächter"

"Kein goldener Handschlag für Pächter"

Die Sanierer am Nürburgring gehen in die Offensive. "Die Pächter bekommen gar nichts. Und wir haben das Maximum an Forderungen realisiert", sagt der Trierer Jurist Thomas B. Schmidt nach dem am Vortag geschlossenen Räumungsvergleich mit den Betreibern.

Mainz. Thomas B. Schmidt sitzt vor einem Mikrofon, lächelt und sagt vor einer großen Schar von Pressevertretern: "Es war eine Illusion zu glauben, dass man fair miteinander umgeht." Ganz besonders amüsiert habe ihn die Überschrift einer Pressemitteilung der Nürburgring Automotive GmbH vom Vortag: "NAG rettet den Nürburgring." Das, betont der Insolvenzverwalter, sei eine freche Verdrehung der Tatsachen. Er spricht auch von "falschen und teils unwahren Behauptungen".
Laut Schmidt und seinem Koblenzer Kollegen Jens Lieser, der am Ring als Sachwalter fungiert, seien alle Ziele zu 100 Prozent realisiert worden. Eigentum und Besitz am Ring seien nun wieder in einer Hand - in ihrer - und das komplette operative Geschäft ebenfalls. Dadurch sei die nahtlose Betriebsweiterführung garantiert. Auch habe man viele Ansprüche durchgesetzt.
Schmidt zeigt auf, dass Pachtforderungen der Sanierer mit Vermögenswerten der Pächter gegengerechnet worden seien. Der NAG habe die Insolvenz gedroht, "und dann hätten wir ihre komplette Geschäftsausstattung, die Schankanlage und das bargeldlose Kartensystem bezahlen müssen". Der Buchwert dieser Dinge belaufe sich auf mindestens fünf Millionen Euro. Diese Werte habe man realisiert.
Schmidt betont: "Über das hin-aus, was wir bekommen haben, war nichts da." Es sei daher erst gar nicht versucht worden, auf Pachtforderungen in Millionenhöhe zu beharren. Auf den Einwand, die NAG habe stets von guten Geschäften gesprochen, entgegnet Schmidt, möglicherweise sei Geld, das einst in die NAG geflossen sei, wieder abgeflossen. Oder es seien hohe Kosten produziert worden.
Sachwalter Lieser stellt klar, die 2010 vom damaligen Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) verantworteten Pachtvereinbarungen - in diesem Jahr hätten 15 Millionen Euro fließen sollen - seien "nicht zu erwirtschaften, vollkommen unrealistisch". Man könne aber ein deutlich positives Ergebnis erzielen.
Nach Angaben der Sanierer bekommen die Pächter Jörg Lindner und Kai Richter "keinen goldenen Handschlag".
Deren Behauptung, ein Exklusivrecht für das Veranstalten eines Formel-1-Rennens 2013 zu haben, sei "hanebüchener Unsinn", ergänzt Thomas Schmidt. Es gebe nur die Zusage, bei bestmöglichen Konditionen weltweit für ein Rennen, ohne teure Fahrerfeldgebühr, selbiges durchführen zu dürfen. "Ansonsten verhandeln wir selbst mit Bernie Ecclestone."
Die Sanierer unterstreichen: "Es gibt keinen Einfluss mehr am Ring für Lindner und Richter." Sie hätten lediglich einen Managementvertrag für die beiden Hotels, das Gastronomiedorf Grüne Hölle und den Ferienpark in Drees bei Daun. Dafür bekämen sie einmalige Provisionen von 165 000 und 300 000 Euro. Im Gegenzug habe man die Laufzeit der Verträge drastisch bis längstens Ende 2015 reduziert.
Die nächsten Schritte der Sanierer: Im Dezember wird ein Mandat für einen Berater erteilt, um den Verkaufsprozess der Immobilien einzuleiten. Anfang März 2013 gebe es eine europaweite Ausschreibung. Ende 2013 solle der Verkaufsprozess abgeschlossen sein.