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Kein kleines Wunder aus Rom, keine Befreiung vom Zölibat

Kein kleines Wunder aus Rom, keine Befreiung vom Zölibat

Pfarrer Stefan Hartmann (60) aus Oberfranken hat sich zu seiner Tochter Katharina (24) bekannt. Im April bat er den Papst in einem Brief um Befreiung vom Zölibat. 1981 hatte Hartmann in Trier das Enthaltsamkeits-Versprechen gegeben. Eine Antwort aus Rom wird er nicht erhalten.

Trier/Rom. Seit Anfang des Jahres facht Pfarrer Stefan Hartmann (Foto: privat) die Debatte um den Pflicht-Zölibat an - jüngst sogar weltweit.

Sein Brief an Papst Franziskus hatte in vielen Ländern für Schlagzeilen gesorgt: In dem Schreiben hatte Pfarrer Hartmann die Befreiung vom Zölibat beim Oberhaupt der katholischen Kirche höchstpersönlich beantragt. In dem Gesuch war etwa zu lesen, er beantrage die Dispens "im Bewusstsein meiner Schwäche, meiner Fehler und in aller geschuldeten Demut". Er habe nach langen Jahren eingesehen, dass das nach zweieinhalb Jahren Priesterseminar bei seiner Diakonatsweihe 1981 in Trier gegebene Versprechen zur Ehelosigkeit "voreilig war und nicht der Konstitution meiner Person entspricht". "Es wäre ein großer Akt der Barmherzigkeit und Güte (nicht nur für mich), wenn Sie mein Gesuch annehmen und mir so überhaupt ermöglichen, eine eheliche Partnerschaft einzugehen, in die auch meine Tochter familiär integriert werden könnte", hieß es weiter in dem Brief.

Doch Hartmanns Funke Hoffnung auf ein kleines Wunder, wie er sagt, aus Rom, ist nun wie eine Seifenblase zerplatzt. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick habe ihm mitgeteilt, dass er keine Antwort von Papst Franziskus erhalten werde, sagte der katholische Geistliche unserer Zeitung. Auch die Anfrage des Trierischen Volksfreunds an den Vatikan wurde mit Schweigen quittiert: "Es wurde entschieden, ihre Anfrage nicht zu beantworten", teilte Gerald Gruber von der Kongregation für den Klerus auf Nachfrage mit. "Die Kirche ist noch nicht soweit", kommentiert Pfarrer Hartmann die stille Entscheidung. Große Enttäuschung schwingt in seiner Stimme mit.

Wie geht es weiter? Einerseits ist Hartmann mit Leib und Seele Priester, dazu fühlt er sich berufen und möchte es bleiben. Bei den Gläubigen in Oberhaid in Franken ist er beliebt. "Die Gemeinde steht hinter mir." Andererseits möchte er heiraten können, im Alter nicht alleine leben. "Aktuell bin ich Single und ich habe auch keine Haushälterin", sagt der Geistliche. Ein Doppelleben möchte er zukünftig nicht mehr führen. Denn dessen Schattenseiten kennt er: 1989 war der rebellische Pastor im Bistum Trier Vater einer Tochter geworden. Zu ihr hatte er sich im Januar dieses Jahres öffentlich in der Fernsehsendung Nachtcafé bekannt (der TV berichtete). "Der Brief an den Papst war eine logische Konsequenz zum Bekenntnis zu Katharina."

Kritiker sagen, er habe doch gewusst, dass er als Priester zölibatär leben müsse. "Nein, ich habe mit 25 Jahren in meinem Idealismus nicht gewusst, welch grausame Einsamkeit ein Leben ohne Partner mit sich bringen kann", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Es sei Missbrauch und Manipulation junger Männer, sie zum Zölibat zu "erziehen". Welchen Weg er nun einschlagen wird, weiß er noch nicht genau. "Ich kann nicht mehr viel machen", sagt Hartmann. Er hofft auf die deutschen Bischöfe, dass sie das Thema Pflicht-Zölibat voranbringen.Extra

Es gibt in der katholischen Kirche einige verheiratete Priester. Etwa zum Katholizismus konvertierte evangelische Pfarrer, die mit dem Segen des Papstes ein Priesterleben mit Frau und Kindern führen. Einer davon ist Peter Kemmether. Vor knapp vier Jahren hatte der damalige Bischof von Regensburg und heutige Kardinal Gerhard Müller den vierfachen Vater und Ehemann zum Priester geweiht. Er war zuvor evangelischer Pfarrer. Der Papst hatte ihn persönlich vom Zölibat entpflichtet. Er arbeitet heute in der Krankenhausseelsorge. In der Diözese Trier sind laut Bistum keine konvertierten evangelischen Pfarrer tätig. katExtra

Der Zölibat (von Lateinisch caelebs‚ "allein, unvermählt lebend"), ist im Christentum das Versprechen, für das weitere Leben die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu übernehmen. Im 12. Jahrhundert wurde der Zölibat offiziell ins Kirchenrecht übernommen. Wer zum Priester geweiht werden will, muss vorab bei der Diakonenweihe, die Ehelosigkeit versprechen. kat