1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Kein Scherz: Protest mit Karnevalsmotiv

Kein Scherz: Protest mit Karnevalsmotiv

Wenn am Montag die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Trier eröffnet wird, muss sich die Katholische Kirche auch auf Proteste und Gegenveranstaltungen einstellen. Einen ersten Vorgeschmack gibt eine Plastik aus dem Düsseldorfer Karneval, die vor dem Dom steht.

Jacques Tilly ist einer der bekanntesten Motivwagenbauer im deutschen Karneval. Auch in diesem Jahr hat er mit einer ganzen Reihe von Karnevalswagen im Rosenmontagszug in Düsseldorf für Furore gesorgt. Während die meisten Aufbauten bereits abgebaut wurden, steht nun sein Bischofswagen vor dem Trierer Dom. "Eigentlich sind die Wagen ja Kunst zum Sofortverzehr. Nach dem Umzug habe ich aber einen Anruf bekommen, dass es für den Wagen noch Verwendung gebe", sagt Tilly dem Volksfreund.

Der Düsseldorfer erholt sich derzeit von dem "närrischen Stress" in Italien - "beim Karneval, mal feiern, ohne was tun sie müssen". Der Kommunikationsdesigner ist Mitglied im Beirat der religionskritischen Giordano Bruno Stiftung. In der Vergangenheit hat sich Tilly mit seinen Motivwagen häufig mit Politik und Kirche angelegt. 2005 sorgte ein Wagen, auf dem sich Tilly satirisch mit der Haltung von Kardinal Meisner mit der Abtreibung auseinandersetzt, für heftige Kritik katholischer Organisationen. 2007 übte der Zentralrat der Muslime heftigste Kritik: Tilly hatte sich auf einem Motivwagen über islamistische Selbstmordattentäter lustig gemacht. "Da ist der Wagen in diesem Jahr doch sehr moderat", sagt Tilly. Er selbst war bereits in Italien, als der Wagen abgeholt wurde, und wusste nichts von der Konferenz, freut sich aber über die Aufmerksamkeit.

Die Plastik hatte Claudia Adams von der Organisation MissBIT, Sexueller Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum Trier, in Düsseldorf abgeholt.